Samstag, 16. Juli 2011

Endspurt


Der Countdown läuft, bald geht es zurück nach Deutschland. Schon komisch das dieses Jahr jetzt schon vorbei ist! Uns ist es noch nicht so ganz bewusst, den Kinder wohl auch nicht...
Jetzt heißt es also das bestmögliche aus der verbliebenen Zeit zu machen. das heißt, viel mit den Kinder spielen, Abschiedsgeschenke basteln, ein paar letzte Einkäufe tätigen.
Abschiedsgeschenke, ja...ein schwieriges Thema. Sollte man jedem Kind was schenken??! Unmöglich eigentlich. Daher wird gekocht! Für die Kids gibts nochmal Pfannenkuchen, für die Angestellten hier Nudeln mit Tomatensoße (ein wirklich Ur-deutsches Essen, ich weiß.).
In der Schule haben wir Klassenfotos gemacht und für jede Klasse ein Poster damit gebastelt, die hängen jetzt gut sichtbar an der Tür - somit weiß dann jeder was ihn erwartet wenn er diese Türschwelle überschreiten wird.

Deenabandhu Primary School

Ansonsten passiert nicht mehr viel - wir waren in Bangalore und haben dort Susannes 21. Geburtstag gefeiert, zusammen mit einigen anderen Volunteers. Am nächsten Tag waren wir bei Ini, unserer (einzigen) indischen Freundin. Erst gings shoppen, anschließend haben wir mit ihr und ihrer Schwester ein wunderbar leckeres Hühnchen gekocht. Des weiteren hat sie uns beigebracht einen Sari anzuziehen, wobei das perfekte wickeln eine Kunst für sich ist (sie hat 2 Jahre gebraucht um es zu können!). Aber wir lassen uns da ja nicht entmutigen und üben immer fleißig weiter.
Gestern war hier bei uns in Chamarajanagara ein Fest. Die Schulen waren (selbstverständlich) geschlossen, in der Stadt standen überall kleine Buden die alles mögliche verkauft haben. Und natürlich waren überall Menschen. Überall!!! Wir sind mit all unseren Jungs in die Stadt gefahren, für jeden gabs 20 Rupien, die durften für Spielzeug, Eis oder sonstige Objekte der Begierde ausgegeben werden. Susanne und ich sind mit den kleinsten Kerlen losgezogen. Als wir eine kleine Pause im Park machen, stehen plötzlich so um die 40 Inder im Kreis um uns und glotzen uns an. Halloooo, sind wir irgendwelche Zootiere??! Die Kinder bekommen Angst, ich bin froh das ich mittlerweile auch auf Kannada schimpfen kann. Manchmal wünscht man sich hier echt ne Burkha. Schrecklich! Da hilft dann leider nur die Flucht. Beim flüchten geben wir aber auch noch schnell unserer 20 Rupien aus, ich kaufe mir einen pinken Luftballon in E-Gitarren-Form, der sogar blinkt wenn man ihn schüttelt! Die Kinder sind etwas neidisch, aber selbst schuld wenn sie ihr Geld für Autos ausgeben... :-P
Jetzt haben wir wieder Wochenende, und im Projekt ist mal wieder Besuch. Eine Gruppe von ca. 10 jungen Männern - wie wir erfahren alles Künstler, die in der Schule die Wände neu gestalten sollen. Eine nette Idee! Schade nur das wir mal wieder nicht mit einbezogen werden...ein paar Ideen hätten wir bestimmt gehabt, immerhin wollten wir hier auch schon mal die Wand anmalen, was uns leider aufgrund mangelnder Begabung nicht erlaubt wurde. Aber die Jungs sind nett, und haben bestimmt auch gute Ideen. Zum "warm werden" haben sie erstmal eine Tonskultptur von Vivekannada gemacht, einem Gelehrten der hier sehr verehrt wird. Sieht echt gut aus!
Nächste Woche ist es dann so weit, Susanne wird schon zum Flughafen fahren. Ich habe noch ein paar Tage mehr in denen mir dann wohl endgültig bewusst werden wird, dass ich jetzt hier weg muss. Unglaublich wie weit weg Deutschland noch ist...ich kann mir gar nicht vorstellen in zwei Wochen schon wieder in Minden zu sein!
Aber trotzdem freue ich mich natürlich darauf, euch bald alle wieder zu sehen und euch "live und in Farbe" von meinem verrückten Jahr in Indien zu erzählen.
Also - bis bald!

Mittwoch, 22. Juni 2011

Der Alltag hat uns wieder...

Nun sind die Ferien vorbei, der Deenabandhu-Alltag hat uns wieder auf seine ganz spezielle Art und Weise im Griff.
Die Kids sind in den Ferien unglaublich groß geworden, und als unsere Kindergarten-Jungs dieses Jahr in die 1. Klasse gekommen sind war ich beinahe stolz auf die kleinen Kerle! Plötzlich sind sie nicht mehr die kleinen süßen, sie gehören jetzt auch zu den großen Schulkindern. Der Eindruck wurde noch verstärkt indem wir drei neue, kleinere Jungs im Alter von 3-5 ins Projekt bekommen haben, die jetzt unsere "Babys" sind und von den anderen liebevoll umsorgt werden. Allgemein hat sich an der Besatzung in unserem Projekt einiges geändert. Manche Kinder kamen einfach nicht mehr aus den Ferien zurück; nach und nach kam dann raus dass sie wieder bei ihren Familien sind. Schön für die Kinder, schade für uns - wir konnten uns nicht einmal verabschieden.
Im Girls' Home gab es ordentlich Zuwachs. Vor den Ferien waren hier 17 Mädels, jetzt sind es 30! Unsere Jungs sind (natürlich) auch sehr angetan von diesen Neuzugängen ;)
Auf Seiten der Angestellten gibt es auch zwei Neuzugänge. Unsere älteren Jungs (15+) hat in letzter Zeit etwas die Disziplin vermissen lassen, die Konsequenz ist nun ein ca. 50-jähriger Inder, der für eben diese bei den Jungs sorgen soll. Er ist auch wirklich streng, sein Bambusstock ist sein bester Freund, anders kann er sich anscheinend nicht durchsetzen. Frauen scheinen ihm zuwider, jedenfalls redet er nicht mit uns. Vielleicht ist er auch böse, immerhin verbünden wir uns mit den Kindern wenn er wieder mit seinem besten Freund auf Tour ist.
Unserem Chef ist aufgefallen, dass viele Kinder nicht richtig lesen und schreiben können (wir reden hierbei von Kannada, wo meine Lese- und Schreibkenntnisse auch mehr als nur beschränkt sind) und hat daher eine Frau ins Projekt geholt, die den Kindern abends beim Hausaufgaben machen hilft und mit ihnen Kannada übt. Schön und gut, lesen und schreiben ist wichtig - blöd nur das wir deswegen kein Englisch mehr machen können für die Kids, wobei das auch nötig wäre; aber es reicht anscheinend wenn man auf Englisch mit Mühe und Not seinen Namen schreiben und lesen kann, der Rest ist Kür.
In der Schule erwartete uns am ersten Tag nach den Ferien ein mittelschwerer Schock: Unser Englischlehrer, Mahesh, hatte gekündigt und war weg! Wiedermal hatte uns niemand darüber informiert, wieder konnten wir uns nicht verabschieden, ich war sauer, und zwar so richtig. Immerhin hatten wir es uns zur Aufgabe gemacht, Maheshs Englisch zu verbessern, ihm ein paar Ideen für den Unterricht zu geben, kurz gesagt, ER war unsere Hauptaufgabe hier. Und dann ist er weg, die ganze Arbeit der letzten 9 Monate ist weg, alles für die Katz. Na vielen Dank! Indischer Informationsfluss ist ein Alptraum. Der neue Englischlehrer heißt netterweise auch Mahesh, immerhin keine namentliche Änderung - ob das wohl extra war?! Er ist 22, hat keine Ahnung vom unterrichten und auch keine allzu große Ahnung von seinem Fach. Was diese zwei weißen da eigentlich machen versteht er irgendwie auch nicht, es ihm erklären verlief im Sande mangels sprachlicher Parallelitäten, und somit läuft unsere Arbeit in der Schule auch eher gegen null zur Zeit. Aber es gab auch einen Lichtblick: Der neue Mahesh war ein paar Tage lang nicht da, und so haben wir seine Unterrichtsstunden übernommen, unter anderem auch in der 7. Klasse, welche ich im letzten Schuljahr in Englisch mit unterrichtet habe. Die Klasse hat mich viele Nerven gekostet, 35 laute Kinder die einfach nicht stillsitzen wollten und sich genauso wenig merken konnte. Doch jetzt nach den Ferien geschah ein kleines Wunder! Ich dachte mir: Vielleicht sollten wir nach 2 Monaten Ferien einfach mal das wiederholen, was wir vor dern Ferien gelernt haben. Und siehe da: Die Kinder konnten es noch!!! Und nicht nur das, die ganze Stunde über waren sie wunderbar ruhig und aufmerksam! Es war wie im Himmel, und ich war beinahe stolz auf meine Lehrer-erfolge. So schön kann es dann halt doch manchmal sein mit den kleinen Monstern ;)
Am 1.7. steht bei uns der nächste Höhepunkt an. Wie bereits erwähnt arbeiten wir im Moment an einem internationalen Filmprojekt, und unsere Arbeit wird an eben diesem Tag den Schülern, Eltern und interessierten Bürgern Ch.nagaras vorgestellt. Neben unseren Filmen gibt's auch noch Filme aus Schweden und Wales zu bestaunen, ebenfalls von Schülern produziert. Im Moment plage ich mich damit, die Filme aus dem Internet runterzuladen, wobei man für einen Film (der am Ende so 5-10 min lang ist!) locker mal 8 Stunden download-Zeit veranschlagen muss. Und wenn der Chef dann zwischendurch das Modem ausstellt (böse, böse Strahlung!), dann fängt man halt nach 7 1/2 Stunden nochmal von vorne an. Die Kids sollten eigentlich fleißig am Programm arbeiten, Einladungen verteilen, Reden schreiben, Poster mit Fotos basteln....eigentlich! Denn Cricket spielen und selbst Gartenarbeit scheinen tausendmal spannender. Und da meine Kannada Schriftkenntnisse wie gesagt sehr beschränkt sind, kann ich leider auch keine Einladungen schreiben! Was macht man da? Tja...am besten zu irgendeinem Gott beten, dass das alles noch irgendwie klappt. Welcher Gott? Gute Frage, weiß ich auch nicht, aber es gibt bestimmt einen für diesen Zweck. Es gibt immer einen!
In diesem Sinne - genießt den deutschen Sommer, in Indien beginnt langsam der Monsun, ich friere mir hier bei ca. 20 Grad bildlich gesprochen den Hintern ab...bis demnächst liebe Leute, bald sehen wir uns ja schon wieder!
Neulich auf der Hochzeit von dem Neffen unserer Köchin und der Schwester einer unserer Projekt-Jungs...

Dienstag, 17. Mai 2011

Indian Biodiversity

So ihr Lieben, damit ihr mal einen Eindruck davon bekommt was sich hier so in meinem unmittelbarem Umfeld abspielt gibt's jetzt mal ein kleines Video, entstanden vor 3 Tagen auf unserem Campus. Enjoy!



Die Schlangen heißen Rat-snakes (Ratten Schlangen), weil sie sich hauptsächlich von Ratten ernähren; sie sind völlig ungiftig und "tanzen" vor ihrer Paarung 6-7 Stunden so! Die älteren Leute hier im Projekt waren ganz besorgt, das sehen von Schlangen ist ein schlechtes Omen; die Kids waren (größtenteils) begeistert, nur der kleine Tejas hatte einen panischen Heulkrampf.
Morgen fahren wir für 2 Tage ins nahe gelegene Tiger-reservat, neben Trecking und Schwimmen kann man dort vor allem auch viele wilde Tiere sehen. Ich bin gespannt!

Montag, 16. Mai 2011

Ferien!


  1. Chamarajanagar

Zu Beginn unserer Reise sollte Johannes natürlich den Ort kennen lernen, an dem ich (die meiste Zeit über) die letzten 10 Monate verbracht habe. Die Kinder fanden schnell gefallen an dem Besuch aus Deutschland, und auch Johannes hat sich schnell an indische Dinge wie Essen, Tee trinken und Kleidung gewöhnt. Am Wochenende gab es an gleich zwei Tagen ein großes Festessen mitsamt kulturellem Programm, zwei Inder hatten beschlossen zu ihrem Geburtstag unserem Projekt etwas Essen zu sponsorn. Nach 5 Tagen in der ländlichen Idylle ging sie dann aber wirklich los, die große Reise, und zwar in:


  1. Mysore


Eigentlich wollten wir nur 2 Tage hier bleiben – eigentlich. Dieser Plan wurde dann aber durchkreuzt; ich hatte gesundheitliche Probleme und musste mich einer kleinen (sie war wirklich klein und nicht schlimm!!) OP unterziehen. Als Folge mussten wir dann noch ein paar Tage länger als geplant in Mysore bleiben; die haben wir genutzt um so Touristen-Highlights wie den Palast, den Markt und den Chamundi Hill mitsamt Tempel zu besichtigen. Außerdem habe ich Johannes in die Welt des indischen Straßenessens eingeführt, eine vielleicht gesundheitlich riskante, aber durchaus lohnenswerte Erfahrung, wie ich finde.

Da wir wie gesagt länger als geplant in Mysore bleiben mussten, viel unser Aufenthalt in


  1. Hyderabad


leider sehr kurz aus; alles was wir gesehen haben war die Straße zwischen Bahnhof und Flughafen (schon blöd wenn man den Inlandsflug nicht umbuchen kann....). So gings also per Flugzeug weiter nach


  1. Kolkata


die zweitgrößte Stadt Indiens nach Mumbai. Erster Eindruck: unglaublich heiß! Mit dem Bus gings vom Flughafen in Richtung Innenstadt, dann noch ein paar Stationen mit der Metro (Achtung: Bitte keine Toten mitnehmen!!), dann noch eine gefühlte Ewigkeit mit dem Rucksack durch die heißen und überfüllten Straßen, dann hatten wir endlich ein Hotel.

Am Abend sind wir dann los um unsere nähere Umgebung zu erkunden; dazu zählten unter anderem der Maiden (Stadtpark), in dem man neben unzähligen Cricketbegeisterten auch Reiter und Ziegenherden trifft. Am Ende des Parks steht das Victoria Memorial, ein sehr großes, weißes Denkmal, dass ein bisschen an das Capitol in Washington erinnert. Auf dem Weg dorthin mussten wir natürlich mehrmals eine kleine Tee-Pause einlegen, denn Johannes hat sich mittlerweile hoffnungslos in den Indischen Chai verliebt. Das Straßenessen lassen wir diesmal lieber weg, denn Kolkata ist wirklich unglaublich dreckig; das hätte auch mein Magen nicht überstanden.

Ein paar Meter vom Memorial entfernt stoßen wir auf ein Planetarium – und entschließen uns kurzerhand dazu, die Englische Show über den Sternenhimmel Kolkatas zu besuchen.

Nach dem Abendessen geht’s zurück ins Hotel; wir entschließen uns mit einer von Hand gezogenen Rickshaw zu fahren, denn die sind einzigartig in der Stadt. Doch schon während der Fahrt wird uns klar, dass wir das nicht nochmal machen werden; sich von Menschenhand durch die Straßen ziehen zu lassen hat einen sehr komischen Beigeschmack.

Der nächste Morgen beginnt mit einer Taxifahrt durch den wahnsinnigen Verkehr der Stadt: gefolgt von einem Ziellosen Spaziergang durch die Stadt. Am Abend lasse ich mir nach langer Zeit mal wieder die Haare schneiden, bevor es mit dem Nachtzug weiter geht.


  1. Darjeeling, Sikkim, Himalaya


Der Zug bringt uns weiter in den Norden, an die Ausläufer des Himalaya (Hima=Schnee, laya=Haus). Wir steigen um in einen Jeep, um nach Darjeeling zu gelangen. Uns wird auch gar nicht kalt im Jeep, mit 3 Leuten vorne, 4 Leuten auf der Rückbank, 4 Leuten im Kofferraum und einem auf dem Dach ist immer jemand da, der einen wärmt.

Je höher wir kommen, desto dichter werden werden die Wolken, und kurz vor Darjeeling fängt es an zu regnen.

Wir kommen also im Regen an und sind anfänglich noch etwas hilflos; mithilfe eines netten Mitfahrers finden wir dann aber schnell ein Hotel.

Darjeeling ist (mal abgesehen vom Tee) berühmt für die Aussicht, die man bei klarem Wetter von hier hat: Mount Everest und Mount Khanchenjunga (8598m, dritthöchster Berg der Welt) kann man von hier aus sehen. Wir versuchen unser Glück und stehen morgens um 3 auf, um die besagten Berge im Sonnenaufgang zu sehen – unsere Mühe wird allerdings nicht belohnt, außer Wolken und Nebel sieht man nichts.

Nach ein paar Teeverkostungen und einem Besuch im Zoo fahren wir weiter, mit dem Jeep geht es nach Sikkim, eines der kleinsten Indischen Bundesländer. Erster Station hier ist Pelling, ein kleiner, sehr touristischer Ort, der außer einem Atemberaubenden Ausblick auf Mt. Khanchenjunga nicht viel zu bieten hat. Als wir ankommen ist es immer noch bewölkt, und wir beschließen, am nächsten Tag eine Jeeptour zu machen.

Also fahren wir los und besuchen einen heiligen See, Wasserfälle, ein paar Ruinen und noch einen heiligen See. Auf dem Rückweg klart es plötzlich auf, und dann sieht man ihn endlich, den dritthöchsten Berg der Welt! Ich bin begeistert; zurück in Pelling laufen wir zum Helipad, von dort aus hat man den besten Ausblick. Wir machen ohne Ende Fotos.

Am Abend essen wir mit Blick auf den Berg, der im Mondschein ganz weiß leuchtet. Am nächsten Morgen quäle ich mich wieder früh aus dem Bett, um jetzt endlich den Berg im Sonnenaufgang zu sehen; diesmal habe ich Glück – ein wirklich schöner Anblick!

Am letzten Tag in Pelling gehen wir ein bisschen wandern; zunächst zu einem der ältesten buddhistischen Klöster Indiens, und von dort aus weiter zu den Ruinen der alten Hauptstadt Sikkims. Auf dem Weg hat Johannes eine kleine Begegnung mit einem Blutegel, aber alles halb so schlimm.

Nächster Halt auf unserer Reise ist Gangtok, die jetzige Hauptstadt Sikkims. Zum ersten mal in Indien sehe ich eine Fußgängerzone, ich fühle mich komisch, so etwas ordentliches passt nicht in dieses Land. Allgemein ist Sikkim ganz anders als der Rest von Indien; die Leute sehen ganz anders aus, das Klima ist völlig anders, ebenso das Essen und die Kultur. Aber es gefällt mir hier sehr, die Kulisse tut ihr übriges dazu.

Von Gangtok aus machen wir eine Tagestour zum Tsomgo Lake, einem (wiedermal) heiligem See auf über 3000m Höhe, keine 20km von der tibetanischen Grenze entfernt. Als wir aus dem Jeep steigen, sehe ich zum ersten mal seit langer Zeit wieder Schnee und freue mich darüber wie ein kleines Kind. Bei der Schneeballschlacht mit Johannes schneide ich aber wie immer eher schlecht ab...

Neben dem Schnee und dem schönen See gibt es am Tsomgo Lake noch Yaks, auf denen man reiten kann. Johannes ist erst skeptisch, macht dann aber doch mit; und so reiten wir dann auf zwei warmen, weichen Yaks um den heiligen See. Angeblich können die Tiere anhand der Wasserfarbe die Zukunft vorhersagen – mein Yak war leider nicht sonderlich gesprächig.

Wir beschließen, noch einmal nach Darjeeling zu fahren, um dann hoffentlich den Mount Everest zu sehen. Also, wieder früh aufstehen, und diesmal haben wir tatsächlich Glück: am Horizont sieht man einen kleinen, weißen Berg, und das ist er! Die Mühe hat sich letztendlich also doch gelohnt. Nun waren wir aber lange genug in den kalten Bergen unterwegs, es wurde Zeit für die Weiterfahrt nach



  1. Varanasi


die heilige Pilgerstadt der Hindus am Ganges. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen, engen Gassen, und anfangs sind wir hoffnungslos orientierungslos. Der Ganges ist ziemlich breit, am Ufer sind überall sogenannte „Ghats“ (Treppen), auf denen sich die Action abspielt. Hier wird gebadet, gewaschen, Zähne geputzt, Müll entsorgt, Kühe gewaschen, Tee getrunken, Tote verbrannt und Tote versenkt. Der Fluss stinkt und ist dreckig; trotzdem hat der Ort einen gewissen Charme. Abends treffen hunderte Leute an dem Main Ghat zusammen, um gemeinsam zu beten; dann sitzen sie dort, singen, klatschen, gehen zum Wasser, opfern Blumen und schwimmende Kerzen und beobachten die Priester, die ebenfalls beten und opfern. Ich bin ein wenig verzaubert von der Stimmung und genieße es einfach, mitten drin zu sitzen und zuzusehen; denn verstehen was genau da vor sich geht, dass tue ich leider auch nach 10 Monaten in Indien noch nicht so wirklich.

Abgesehen vom Ganges gibt es in Varanasi noch ein weiteres Highlight: eine Bäckerei, in der es echtes Vollkornbrot und echten Käse gibt! Beim ersten Bissen in ein Vollkorn-Gouda-Sandwich fühle ich mich herrlich. Wir werden für die Dauer unseres Aufenthalts zu Stammgästen in der Bäckerei.

Einen Abend lassen wir uns den Fluss runter rudern und beobachten, wie die Sonne langsam untergeht und die Hindus langsam an den Fluss kommen und mit ihren Gebeten beginnen. Eigentlich eine schöne Sache, wäre da nicht der penetrante Schwefel-Geruch, der vom Fluss aufsteigt...

Nach vier Tagen in Varanasi geht es aber weiter. Unser nächstes Ziel ist


  1. Agra


Heimatstadt des berühmten Roten Forts und des Taj Mahals. Wir beziehen ein Hotelzimmer mit direktem Blick auf das Taj Mahal (für knappe 8€ die Nacht!!!) und tasten uns dann langsam an das beeindruckende Bauwerk heran. Der Eintritt ist unglaublich teuer, aber das macht jetzt ausnahmsweise mal nichts.

Das Taj Mahal ist riesig und strahlt in einem leicht milchigem Weiß. Wir stehen da und staunen; auch wenn man schon so viele Fotos gesehen hat, in echt ist es doch nochmal was anderes.

Das Taj Mahal wurde von einem Herrscher für seine Frau gebaut, die bei der Geburt ihres 14. (!!!) Kindes gestorben ist. Alles ist perfekt symmetrisch, und je näher man herangeht, desto deutlicher sieht man die feinen Blumen und Muster, die in die Wände eingelassen sind – alle aus reinen Edelsteinen und per Hand gefertigt!

Nach dem Taj Mahal besichtigen wir noch das Rote Fort und ein paar andere Bauwerke, aber so richtig beeindrucken kann uns nichts mehr.

Am Abend fahren wir zu einem Garten, der gegenüber vom Taj Mahal liegt – von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf das weiße Wunderwerk im Sonnenuntergang; ein schöneres Ende kann ein Tag wohl kaum nehmen.

Der nächste Tag ist mein Geburtstag, und er beginnt (wie könnte es anders sein) mit einem Blick aus dem Fenster.

Dann geht es weiter; mit dem Bus fahren wir nach


  1. Jaipur


die Hauptstadt Rajasthans. Dort ist es unglaublich heiß. Abends gehen wir essen, es gibt lecker Hühnchen vom Grill.

Am nächsten Morgen geht es Johannes nicht so gut, und ich mache mich alleine auf, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Ich gehe in die Altstadt, die auch als „Pink City“ bezeichnet wird – allerdings gibt es dort kein einziges pinkes Haus...

Um mir einen Überblick zu verschaffen, gehe ich auf einen alten Turm. Oben sitzt ein älterer Inder, der mir etwas über die Stadt erzählt. Als er erfährt, dass ich ein ganzes Jahr in Indien bin und im Süden als „Social Worker“ arbeite, ist er völlig begeistert; er lädt mich zum Tee trinken ein und erklärt mich zu seiner neuen Tochter. So sitze ich dann also für einige Zeit in dem Turm, trinke Tee und unterhalte mich mit meinem neuen Vater und seinem Kumpel. Sie sagen mir, ich sollte zum Stadtpalast gehen, und das mache ich dann auch.

Am nächsten Tag geht es Johannes besser, und ich nehme ihn mit zu dem Turm und den netten Indern vom Vortag. Wieder gibt es Tee, und nach ein paar weiteren Sight-Seeing-Tips verabreden wir uns für den Abend, denn ich will mir einen neuen Sari kaufen und weiß noch nicht so ganz genau, wo dafür der beste Ort ist.

Aber zunächst befolgen Johannes und ich die Tips und besichtigen das Observatorium des Maharaja, seine Grabstätte, das mächtige Fort und den schwimmenden Sommerpalast der Maharani.

Am Abend treffen wir den netten Inder. Doch bevor wir auf die Suche nach einem Sari gehen, nimmt er uns mit in den Tempel, denn er ist ein gläubiger Hindu und betet jeden Morgen und jeden Abend. Nachdem das erledigt war, gehen wir in einen Laden, der handgemachte Saris mit dem typischen „Rajasthani“-Muster (Bathik) verkaufen. Nach wenigen Minuten habe ich meinen Traum-Sari gefunden: er ist türkis mit kleinen weißen Mustern, dazu ein wenig rot und orange. Leider übersteigt er mein Budget bei weitem, handgefertigte Dinge sind eben auch in Indien teuer. Mein „Vater“ gesteht, dass er als Mann nicht sonderlich viel Ahnung hat von Saris und nimmt mir das Versprechen ab, bald wieder zu kommen: dann würde er seine Tochter anrufen und die würde dann mit mir shoppen gehen. Nach einem weiteren gemeinsamen Tee verabschieden wir uns; Johannes und ich wollen weiter, zu unserer letzten Station:


  1. Delhi


Indiens Hauptstadt ist heißer als alle anderen Städte zuvor. Am Bahnhof treffen wir Susanne, die schon mit ein paar anderen Freiwilligen hier ist und uns schon ein Hotel gesucht hat. Wir wohnen sehr Zentral, nicht weit von der nächsten Metro-Station. Den Abend verbringen wir mit den anderen Deutschen, bei einem Bier werden Reisegechichten ausgetauscht, Susanne versorgt mich außerdem mit den neusten Geschichten aus unserem Projekt. Während ich unterwegs war, ist sie in Ch.nagara geblieben; jetzt wo ich bald wieder dort bin beginnt sie ihre Reise durch den Norden.

Am nächsten Tag besichtigen wir das Rote Fort Delhis und laufen ein wenig durch die (angeblich) sehr geschäftige Altstadt. Leider ist es Sonntag, und die Geschäfte und Bazaare sind geschlossen. Abends gehen wir ins Kino und sehen einen 3D-Film. Der nächste Tag ist der letzte für Johannes. Er kauft sich noch einen Treckingrucksack, und dann müssen wir auch schon zum Flughafen.

Johannes ist weg und ich bin wieder alleine. Am nächsten Morgen geht auch mein Flug zurück nach Bangalore.




Jetzt bin ich wieder in Chamarajanagar. Die Kinder haben Ferien; einige sind bei ihren Familien, doch die meisten sind hier geblieben. Für die älteren gibt es ein Filmprojekt, dort helfe ich so gut es geht. Den Rest der Zeit verbringe ich mit malen und Spaziergängen; außerdem wollen die kleinen Jungs andauernd Ballons haben, die ich natürlich immer brav in der Stadt kaufe. Für die Mädchen habe ich neulich Wackelpudding gekocht, schließlich hatte ich ja Geburtstag! Das grüne Zeug fanden sie erst etwas seltsam, aber am Ende hat es doch allen geschmeckt.

Ende Mai werde ich nochmal mit Susanne nach Gokarna fahren, ein bisschen am Strand liegen, im Meer baden und Kraft sammeln für die letzten zwei Monate hier!

Samstag, 19. März 2011

Holi und andere Katastrophen...

Hey ihr Lieben - alles klar im fernen Deutschland? Kommt der Frühling so langsam??
Wir haben hier heute den Frühling gefeiert, denn heute war Holi, besser bekannt als "Festival der Farben"! Der Sinn ist uns wie immer etwas entgangen, aber die Action war dafür umso besser. Nach Schulschluss wurden schnell alte Klamotten angezogen, danach wurde sich bewaffnet, vorzugsweise mit leeren Flaschen und kleinen Eimerchen. Die wurden dann mit der selbstgekochten Rote-Beete-Farbe gefüllt, und los gings! Jeder gegen jeden, Farbe überall. Nach einer Stunde kreischen, rennen, nass machen und eingefärbt werden war der ganze Spaß leider schon wieder vorbei...das Ergebnis waren 3 durch und durch bunte und nasse Freiwillige sowie 40 nasse, bunte und lachende Kinder.
Ansonsten ist der Sommer angekommen. Die Temperaturen steigen fleißig weiter, wie weit - ich weiß es mangels Thermometer nicht, aber vom "Im Schatten sitzen und nichts tun" fängt man mittlerweile schon an zu schwitzen. Es ist also heiß. In der Schule beginnen nächste Woche die Examen, und ich hoffe das die Kids in meiner 6. Klasse es irgendwie hinbekommen, dieses Problem zu bewältigen, immerhin haben wir in den letzten 4 Wochen nichts anderes gemacht außer die Frage "How old are you?" zu beantworten. Also, wenigstens dass sollten sie jetzt langsam können.
Nächstes Wochenende ist mal wieder Besuch im Projekt, ein paar Schüler aus unserem Bundesstaat sollen kommen und bekommen ein Stipendium von unserem Trust. Unsere Aufgabe soll es sein, ihnen klar zu machen, dass Bildung nicht nur mit Schule zusammenhängt. Wie sagte unser Chef so schön? "Indian people are so stupid and think education can only be archieved through books. I hope you can show them that this is not true; in Europe people know that." Immer wieder schön wenn unser Chef seine Meinung über seine Mitmenschen äußert...
In etwas mehr als einer Woche wird Johannes in Bangalore landen, und dann werden wir gemeinsam auf Reisen gehen. Darauf freue ich mich schon sehr! Viel mehr ist hier im Moment auch wirklich nicht los; wir leben hier so unseren Alltag.
Happy Holi!

Sonntag, 27. Februar 2011

Impressionen

Manu

Kumar

Tejas


Shivananda

Ganga

5 von 62 Gründen, warum ich hier bin....




Mittwoch, 23. Februar 2011

Ein bisschen Alltag...

Mir ist aufgefallen, dass ich euch eigentlich immer nur über die spannenden Dinge informiere die hier so passieren, aber nie wirklich über den Alltag...
Nunja, eigentlich wollte ich das ändern, aber ganz ehrlich, so viel zum Alltag gibts echt nicht. Darum jetzt ein paar kleinere besondere Aktionen, die wir hier in der letzten Woche im Projekt so gemacht haben, also sozusagen "halber Alltag"!

Von links nach Rechts: Kumar, Tejas, Guru, Ganga, Gayatri, Taushiff, Shivananda, Manu und Manjula


Letzten Samstag waren Susanne, Kerstin und ich zusammen mit unserem Fahrer Putaswamy, unserer Köchin Manjula und 8 kleinen Kids im Zoo in Mysore. Die Kinder waren schon Tage vorher total aufgeregt, und als der große Tag dann endlich da war kannte die Freude keine Grenzen mehr. Wir sind früh morgens los; trotzdem wurde es natürlich im Zoo unglaublich heiß. Wir hatten ne Menge Spaß und haben viele Tiere gesehen - das unumstrittene Highlight war natürlich der Tiger - und am Ende des Tages saßen hinten im Auto 8 glückliche und total erschöpfte Kinder.


Am Mittwoch hatten wir frei, darum hatte unser Chef die Idee, in den nahe gelegenen Bandipur Nationalpark zu fahren. Also Lakshman, Lokesh, Padmanabagouwda, Satchin, Deepika, Durga, Putaswamy, Kerstin, Susanne und ich ins Auto und auf nach Bandipur! Als erstes haben wir dort eine Jeepsafari gemacht, dank "Vitamin B" völlig kostenlos. Die zwei kleinen Mädels haben die ganze Aktion verschlafen, sehr zum Spaß des Fahrers. Wir wachsamen Safariteilnehmer haben viele Tiere gesehen, unter anderem Wildschweine, Rehe, Pfauen, Mungusi und - wie könnte es anders sein - Elefanten!


Nachdem wir die Safari beendet hatten gings mit dem Auto ein bisschen in die Nilgiri Hills, um von dort aus den Sonnenuntergang zu beobachten. das Fernglas war auch dabei, und nach einigem Suchen haben wir noch ein paar wilde Bisons entdecken können.
Oben auf dem Berg wehte ein angenehm kühler Wind, und zusammen mit dem Ausblick war das ein wirklich schöner Abend.


Ansonsten nähern sich hier die End-Term-Examen und die großen Ferien, ebenso wie der Sommer. Tagsüber haben wir jetzt so um die 35°C, und auch wenn unser Chef uns heute früh erzählen wollte, dass es wirklich kalt ist im Moment, schwitze ich ganz schön viel.
Kerstin ist nur noch für eine Woche bei uns, dann wird sie Deenabandhu wieder verlassen, was wir gar nicht gut finden! Wir haben die kleine verrückte Schwedin in unser Herz geschlossen, Midsommar 2012 ist schon gemeinsam geplant, ebenso wie Oktoberfest 2011 ;)
Vor unserer Zimmertür ist in den letzten Wochen eine Bananenplantage entstanden, die Stauden sind allerdings noch klein, bis zur ersten Ernte dauert es wohl noch eine ganze Zeit.
Zum Thema Zeit...wir sind jetzt schon über 6 Monate hier, die Hälfte unseres Aufenthalts ist vorbei! Manchmal wunder ich mich schon ein wenig darüber wie schnell die Zeit vergeht!

Von links nach rechts: Gowdry (Büro), Pavarti (Büro) und Selvi (Hausmutter)

Die drei Damen habe ich neulich mal fotografiert, sie gehören nun wirklich zum Alltag. Gowdry ist noch nicht so lange hier, aber ich glaube all unsere älteren Jungs sind heimlich in sie verliebt, sie ist nämlich unglaublich hübsch! Pavarti ist die heimliche Chefin im Büro, sie hat hier alles unter Kontrolle. Ihre absolute Lieblingsbeschäftigung sind Kreutzworträtsel!!
Selvi ist Hausmutter bei uns, was bedeutet dass sie sich um die Kids kümmert. Ihre kleine Tochter wohnt auch bei uns im Projekt...

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, wie oft hier gebetet wird? Nein?? Also, morgens gegen 6 haben die Kinder Morgengebet, dann wird vor dem Frühstück gebetet, zum Unterrichtsbeginn in der Schule, vor dem Mittagessen, zum Unterrichtsende, am frühen Abend und zu guter letzt noch einmal vor dem Abendbrot. Ganz schön oft, oder??

Donnerstag, 10. Februar 2011

Hampi!

Am Wochenende war ich zusammen mit Philipp, Georg und Kerstin in Hampi. Dieser beschauliche kleine Ort liegt im Norden Karnatakas, mit dem Zug braucht man knappe 10 Stunden dort hin. Was es dort zu sehen gibt? Nun, zum einen alte Tempel, und davon ganz schön viele! Zum anderen eine unglaublich beeindruckende Landschaft- es sieht aus, als hätten ein paar Riesen mit Steinen gespielt und diese aus Spaß ein wenig gestapelt. Wirklich beeindruckend, sogar fast ein wenig beängstigend!


Donnerstags Abends haben wir uns in den Zug gesetzt (bzw. gelegt). Nach einer eher kurzen Nacht sind wir dann in Hampi angekommen. Der Ort an sich ist ziemlich schrecklich, ein künstliches Touristendorf. Aber es macht doch auch immer wieder Spaß, Hippies zu beobachten!
Am ersten Tag haben wir dann den einzigen noch aktiven Tempel Hampis so wie den nahegelegenen "Hausberg" mit den darauf zu findenden Ruinen besichtigt. Abends haben wir uns auf einen etwas höheren Berg gesetzt und den Sonnenuntergang bestaunt - eine sehr entspannte Angelegenheit.



Samstag haben wir uns dann Fahrräder gemietet; wir sind allerdings nicht sehr weit gekommen, denn nach ein paar Minuten haben wir beschlossen, einen kleinen Berg zu besteigen, wodurch die Fahrräder ziemlich überflüssig wurden. Auch egal, die Aussicht von oben war wirklich schön!


Sonntag haben wir es dann nochmals mit Fahrrädern versucht, und diesmal haben wir es auch wirklich geschafft, ein paar Kilometer zu fahren. Erst haben wir auf dem Weg die alte Königliche Siedlung zu besuchen, dort gab es Elefantenställe und Lustschlösser im "Indo-islamischen" Stil zu bewundern. Abgesehen davon natürlich haufenweise Touristen, indische sowie nicht-indische. Da ist mir wieder einmal aufgefallen wie anstrengend indische Touristen sind...ich dachte ja immer so eine deutsche Schulklasse im Museum wäre das Maß der Lustlosigkeit und Nerverei, aber indische Touristen toppen echt alles. Der Wahnsinn.
Nach unserer Fahrradtour waren wir alle irgendwie ziemlich kaputt, sechs Monate rumsitzen zeigen langsam Wirkung.


Am Montag haben wir erst noch ein wenig am Fluss entspannt, bevor wir dann wieder einmal zu den Fahrrädern gegriffen haben. Ziel war diesmal ein nahe gelegener Wasserfall. Der war zwar kleiner als gedacht, aber die Landschaft war einfach der Wahnsinn! Man hätte wohl auch schwimmen gehen können (und wir hatten auch durchaus Lust dazu, denn es war wirklich heiß!), aber da überall Inder rumstanden die nur darauf gewartet haben, dass sich ein paar weiße Mädels entkleiden und ins Wasser hüpfen, haben wir lieber darauf verzichtet und nur die Füße ein wenig erfrischt.


Abends gings dann wieder zurück zum Bahnhof und mit dem Zug "nach Hause". Zugfahren war wie immer ein Erlebnis, dieses mal hatte ich einen heiden Spaß dabei, den Mäusen beim rumlaufen zuzugucken... Leider war es so kalt im Zug, dass ich jetzt schon wieder eine dicke Erkältung habe. Echt blöd, denn es wird merklich heißer bei uns, und bei ca. 32°C mit Schal rumzulaufen ist nun wirklich nicht so toll.


Im Projekt geht alles seinen gewohnten Gang. Kleine Ausnahme ist Susanne: Sie hatte sich letzte Woche einen kleinen Dorn so tief in den Fuß getreten, dass dieser in einer kleinen Not-OP aus dem Fuß geschnitten wurde. Jetzt hat Susanne also eine Naht am Fuß und kann nicht wirklich laufen.
In der Schule stehen bald schon wieder die Examen an. Wir sind allerdings mittlerweile echt genervt von der Schule, weil einfach nichts funktioniert, nichts klappt, die Kinder lernen einfach nichts. Neulich habe ich in der 6. Klasse einen Test geschrieben, in dem die Kinder je einen Satz über ihren Namen, ihr Alter, ihre Stadt und ihre Hobbies schreiben sollten. Eigentlich nicht schwer....eigentlich!! Ganze 5 von 34 Kinder konnten das. Und dann sollen wir denen so Dinge wie Past Participle beibringen...der Wahnsinn! Da gibt es sinnvollere Dinge zu tun, zum Beispiel das Englisch vom Englischlehrer ein bisschen aufzubessern. Wäre da nicht das Problem, dass dieser einfach ständig fehlt und merklich keine Lust hat, sich von uns irgendetwas erklären zu lassen. Klar, er ist der Lehrer. Aber er ist auch erst 23 und hätte ein bisschen Englischunterricht nun wirklich nötig...
Aber auch wenn das jetzt ein wenig negativ klingt bin ich gerne hier. Die Kinder sind echt klasse, allein deswegen lohnt es sich, hier zu sein! :)

Mittwoch, 2. Februar 2011

Die Zeit ist reif!


Indien – das klingt nach Farben, die die Augen verzaubern, nach Düften, die die Nase betören, nach Gewürzen, die einem das Wasser in den Mund treiben, nach Menschen, die die Seele berühren. Es tut uns leid, aber so ist es nicht. Indien raubt einem die Sinne – aber nicht so, wie ihr das vielleicht denkt. Nach 6 Monaten ist die Zeit gekommen, um euch die rosarote Brille zu entreißen.

Wir wurden in dieses Land geschickt, um zu lernen und um gelerntes zu teilen. Und genau darum soll es in den „journalistischen“ Ergüssen gehen, die wir fortan gemeinsam kreieren werden – denn die Zeit ist reif!


Der allgemeine Inder...und sein Handy

Dies ist die Geschichte einer großen Liebe – nein, einer sehr großen sogar. Der Inder/die Inderin und das Handy gehören einfach zusammen.

Ein Inder/eine Inderin ohne Handy, dass wäre wie...Frühstück ohne Reis, wie...FSJler ohne Urlaub, wie...Marleen ohne Kaugummi, wie...Susanne ohne Marleen!

Wie wir leider feststellen mussten, ist der Inder/die Inderin ja mit eigenständigen Entscheidungen leicht überfordert. Um Massenpaniken vorzubeugen haben sich daher namhafte Handyhersteller wie Nokia oder Tata dazu entschlossen, lediglich 2 Klingeltöne zur Auswahl zu stellen. Woher der Inder/die Inderin jetzt weiß, welches Handy da grade klingelt, ist eigentlich auch egal, denn wie unabhängige Untersuchungen von S.T. und G.S. ergeben haben, handelt es sich dabei in 9 von 10 Fällen um einen lästigen Werbeanruf.

In unseren Breitengraden ziemt es sich, die Lautstärke seines Handys so dezent wie möglich und nur so laut wie nötig zu regeln. Der Inder/die Inderin unterwirft sich diesen durchaus positiv zu betrachtenden Regeln des friedlichen Zusammenlebens allerdings nicht. In Indien gilt: Je lauter, desto besser. Egal ob einfaches Klingeln oder Entertainmentapplikationen (Musik, etc.) - wenn die Lautstärke einen Radius von 50m unterschreitet, ist definitiv etwas falsch. So kommen wir zu der Erkenntnis, dass wir Weißen einfach die geborenen Unterdrücker sind; in diesem Fall unterdrücken wir das Bedürfnis unserer Mobiltelefone, sich in ihrer vollen Lautstärke zu entfalten.

Nun ist es auch wirklich sch**ßegal, wo sich der Inder/die Inderin gerade befindet – ob im Krankenhaus, auf dem Motorrad bei ca. 50 km/h, im Gespräch mit dem Chef, auf der Toilette oder an anderen scheinbar unpassenden Orten – dem Rufe des mobilen Telefons wird einfach immer Folge geleistet; klingelt es, wird sogar die sonst so geliebte Kuh links liegen gelassen.

Der Grund für das ständige gepiepse und getute ist schnell gefunden. Zum einen ist der Inder/die Inderin grundsätzlich sehr (!!) kommunikativ. Jegliche Geschehnisse, mögen sie auch noch so unwichtig erscheinen, müssen umgehend Freunden und Verwandten mitgeteilt werden. Zehnmal am Tag zu fragen, ob die Person am anderen Ende der Leitung denn Utta ayta (schon gegessen) hat, gehört hierzulande zum guten Ton.

Um diesen Hunger nach Informationsaustausch zu stillen, hatte die indische Mobilfunkindustrie einen grandiosen Einfall: SMS-Sparpakete!!! Für schlappe 40Rs. (ca. 0,65€) erhält der Kunde 4000 Frei-SMS, die er innerhalb von 30 Tagen versenden kann – und auch garantiert wird.

Was schreibt nun also der allgemeine Inder/die allgemeine Inderin so, wenn die Frage nach dem Essen geklärt wurde?

Da wären einmal die schönen Sprüche und Reime, die einen morgens brutal aus den Träumen reißen und einen Abends gewaltsam vom schlummern fernhalten. Beispiel gefällig?

„This sweet bird has came to wish u 'Good Night' Have a nice sleep.“ [Rechtschreibfehler stammen ebenso wie grammatikalische Ausrutscher aus der Feder des Verfassers.]

Des weiteren bekundet der Inder/die Inderin gerne mithilfe einer SMS tiefe freundschaftliche Gefühle – manchmal auch mehr.

„Staying far,nevr breaks relations. Staying near nevr builds relations. Its a link between minds&hearts, which nevr allows us 2 4get each other!!“ [Rechtschreibfehler stammen ebenso wie grammatikalische Ausrutscher aus der Feder des Verfassers.]

Nun stammen diese weisen Sprüche aber gewiss nicht aus der Feder des allgemeinen Inders/der allgemeinen Inderin; nein, auch diese werden von der indischen Mobilfunkindustrie massenhaft zur Verfügung gestellt. Egal ob man weiß, was man da eigentlich versendet – was am Ende zählt ist das Gefühl, geliebt zu werden. Ob von seinem Handy, welches einen freudig anklingelt, oder von der Person, die einen mindestens genauso bescheuerten Spruch zurückschickt: Hauptsache Liebe!

Wir werden dieses indische Paradoxon der Handyliebe nie verstehen, obwohl wir natürlich unser Bestmögliches versuchen, um dieses Verhalten zu adaptieren. Entweder kann Susanne nicht einschlafen, weil Marleen's Handy ständig vibriert, oder Marleen wird nachts durch das penetrante Piepen von Susanne's Handy aus den Träumen gerissen.

Unser Dank gilt...ach Leute, ihr wisst schon wem.

Und die Moral von der Geschicht – vergebe deine Handynummer nicht!!

Es grüßen die dauerhaft Schlafsuchenden Akkaru

Susanni und Merlin





Anmerkung: Die oben beschriebenen Situationen haben wir so wahrgenommen – und auch wenn wir von ihrer Richtigkeit überzeugt sind kommen wir nicht umher, unsere Leser darauf hinzuweisen, dass es sich dabei selbstverständlich um eine sehr subjektive Beschreibung der Wahrheit handelt!

Freitag, 21. Januar 2011

Weihnachten und Silvester "abroad"





Ich habs geschafft – das erste Weihnachtsfest fernab der Heimat. Unser Weihnachtsurlaub begann ganz der Tradition entsprechend damit, dass wir im Zug Strafe zahlen mussten. Diesmal allerdings, weil Philipp anstatt der auf dem Ticket vermerkten Susanne mit uns auf Reisen war. Nachdem wir dieses kleine Problem gelöst hatten, konnten wir unsere Reise beginnen. Zuerst ging es nach Gokarna (24.-28.12.), ein kleiner Küstenort im Norden Karnatakas, bekannt für seine ausgeprägte Hippieszene. Dort haben wir dann am 24. erst im Ort Quartier bezogen und eine kleine aber durchaus feine Weihnachtsfeier mitsamt Sternen und Bescherung abgehalten.

Om Beach, Gokarna

Zuerst waren wir schön essen, allerdings hatte der Restaurantchef nichts für christliche Feierlichkeiten über; somit wurden wir dort ziemlich schnell vor die Tür gesetzt.

Am Stadtstrand haben wir dann aber neben 2 einsamen Kamelen eine kleine (christlich geführte) Bar gefunden, in der es neben einem kühlen Bier auch einen Weihnachtsbaum und eine Krippe gab. Somit hatten wir dann doch noch ein recht originalgetreues Weihnachten!

Die nächsten Tage haben wir dann am berühmten Om-Beach verbracht. Wir haben nicht viel gemacht außer in der Sonne liegen, im Ozean schwimmen und Abends lecker essen gehen. Das war aber ehrlich gesagt genau das, was ich wollte, und somit muss ich sagen dass dieses

Weihnachten ein schönes war. Zwischen Sand und Palmen hat man auch irgendwie gar keinen Bock auf Schnee, Tannenbaum und co. Also, liebe Daheimgebliebenen, so leid mir das auch tut, ich hatte an Weihnachten definitiv kein Heimweh, mir hat nichts wirklich gefehlt.

Palolem Beach

Am 28. Dezember sind wir dann weiter nach Palolem (Südliches Goa) gefahren, wo dann auch Susanne wieder zu uns gestoßen ist. In Palolem haben wir nichts großartig anderes als in Gokarna gemacht, wir haben unsere Aktivitäten nur durch Meereskanu fahren (Georg und ich) und Muscheln suchen (größtenteils ich) erweitert. Die Meereskanutour war allerdings ein echtes Highlight, denn plötzlich waren wir mitten in einem Delfinschwarm! Die Delfine sind keine 5 Meter vor unseren Booten aus dem Wasser aufgetaucht, und ich war ganz hin und weg von diesem Anblick. Die Tiere sind echt ganz schön groß!!

Ansonsten ist Palolem unglaublich touristisch, überall sieht man weiße Touristen, überall gibt es kitschige Souvenirs zu kaufen. Das war für ein paar Tage mal ganz in Ordnung, aber auf Dauer wäre das wohl nichts für mich.

Sonnenuntergang in Palolem

Am 30. haben Georg und ich uns auf den Weg nach Anjuna gemacht; dort wollten wir uns mit all den anderen Freiwilligen treffen, um Silvester zu feiern. Anjuna ist eine der „Partyhochburgen“ Goas, also genau das, was man sich im Allgemeinen unter Goa vorstellt.

Da Georg und ich uns aber etwas zu spät auf den Weg gemacht hatten, sind wir an dem Tag nicht mehr bis nach Anjuna gekommen. Stattdessen sind wir in Panjim gestrandet, Goas Hauptstadt. Dort eine Unterkunft zu finden war aber mehr als nur schwierig. Am Ende haben wir dann im Flur eines netten Inders übernachtet...die Nacht war (wie man sich wohl denken kann) ziemlich ungemütlich und kurz. Aber ein Gutes hatte die ganze Aktion: Unser Gastgeber hat uns zum Abendbrot ein wirklich gutes Restaurant empfohlen, dass schon viele Preise für seine tradiotionnelle Goanische Küche bekommen hat. Der Fisch war köstlich!

Am 31. haben wir uns dann früh morgens auf den Weg nach Anjuna gemacht. Nach langem Suchen haben wir dann dort auch eine Unterkunft gefunden. Den Rest des Tages haben wir dann nochmals am Strand verbracht. Dort fand dann auch unsere Silvesterparty statt. Mitternacht mit den Füßen im Ozean ist schon was besonderes. Wir haben in den unzähligen Strandlokalen gefeiert bis zum Sonnenaufgang und hatten wirklich einen super Abend, an den ich mich noch gerne erinnere.

Am Neujahrstag ging dann das wohl größte Abendteuer der Reise los: Mumbai!!

Mit dem Bus ging es 13 Stunden lang von Goa in die Megastadt. Als wir dann Sonntags morgens um 8 Uhr den Bus verließen staunten wir nicht schlecht: Mumbais Straßen waren wie leergefegt! Grade erst hatten wir im Reiseführer gelesen, dass über 20 mio. Menschen in der Stadt leben, und dann so was! Auch ein Lokal zum frühstücken mussten wir lange suchen, denn vor 10 Uhr war einfach alles geschlossen...

Somit war mein erster Eindruck von Mumbai ein sehr sehr entspannter.

Taj Mahal Hotel un Gateway of India

Wir haben dann in einem kleinen Hotel im südlichen Teil der Stadt Quartier bezogen, ganz in der Nähe vom berühmten Taj Mahal Hotel. Das wurde natürlich auch sogleich bestaunt, ebenso wie das Gateway of India. Die Stadt hat wirklich einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Da wären neben den beiden o.g. Highlights noch die Universität, das Gerichtsgebäude, der Victoria Terminus, Elephanta Island (Weltkulturerbe!), die Haji Ali Moschee, der Marine Drive, etc.

Haji Ali Moschee

Mumbai!

Ich habe mich schon lange auf diesen Trip nach Mumbai gefreut. Vielleicht wisst ihr das nicht, aber einer der Gründe für meinen Aufenthalt in Indien ist das Buch „Shantaram“, welches zum Großteil in Mumbai spielt. Ich hatte großen Spaß daran all die Schauplätze aus dem Buch in der Stadt zu entdecken!

eine indische Großwäscherei

Wir hatten insgesamt 6 Tage Zeit in Mumbai, bevor unser Flug zurück nach Bangalore ging. Da ich echt ewig von Mumbai und allem erzählen könnte und euch das bestimmt irgendwann zu langweilig wird, werde ich einfach ein paar Fotos hochladen und kommentieren, dann könnt ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen!

Marine Drive mit Mumbai's Skyline

Kurz zu erwähnen wäre noch, dass am letzten Tag unseres Aufenthalts der Prime Minster von Indien in Mumbai zu Gast war. Und ich kann voller Stolz sagen, dass er sogar an uns vorbeigefahren ist! Das war ein schöner Abschluss für unseren Urlaub.

Mumbais Straßen können doch voll sein ;)

Weihnachten und Silvester sind vorbei, und ich hatte wiedermal einen wundervollen Urlaub. Ich habe viel neues gesehen und viel erlebt, und habe mich wieder ein bisschen mehr in dieses Land verliebt.

Zurück im Projekt ist wieder fast alles beim alten. Wir haben jetzt bis Anfang März noch eine neue Freiwillige bei uns: Kerstin, 19, aus Schweden. Ansonsten unterrichten wir English (bzw. versuchen es), feiern Festivals und spielen mit den Kindern. Susanne hat sich ein Motorrad gekauft und kämpft sich jetzt durch den indischen Straßenverkehr. Ich werde allerdings dem Bus treu bleiben.....

Anfang Februar werde ich zusammen mit Kerstin, Georg und Philipp für ein verlängertes Wochenende nach Hampi fahren.

Bis dahin erstmal!

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Midyearcamp? Aytu!

So...heute ist der 22. Dezember und ich bin wieder bei uns im Projekt. Heute morgen habe ich unser ICDE-Midyear-Camp verlassen. Das ganze hat am 19. begonnen und geht eigentlich noch bis morgen - warum ich jetzt nicht mehr da bin? Dazu später mehr.
Erstmal zum Camp an sich.
Das Camp hat auf dem Campus von Infosys, einer sehr sehr SEHR großen indischen IT-Firma stattgefunden. Die Firma bildet hier in Mysore ihre Auszubildenden ausbilden. Dafür haben sie einen riesigen Campus geschaffen, eine kleine eigene Welt, in die eigentlich kein Fremder rein kommt (Dank Vitamin "B" durften wir allerdings doch rein.).
Auf dem Campus leben ca. 8000 Leute; es gibt dort neben der Uni und den Büros alles was das Herz begehrt, vom Tennisplatz über Kino, Caffé und kostenlos verfügbaren Fahrrädern bis hin zum Dampfbad.
Wir haben die Zeit vor allem für kleinere Übungen und Spielchen genutzt, aber auch einfach zum reden und Erfahrungen austauschen.

Die Poolanlage...leider war hier zurzeit "work in progress" und schwimmen daher nicht erlaubt.

Die Betriebseigene Uni


Der Fußballplatz mit Laufbahn und hammer Kulisse


Die vermutlich sauberste und leerste Straße Indiens!


Links: Das Forschungsbüro. Rechts: Das Kino. Alles echt!

Beim betrachten der Bilder fällt euch vielleicht auf, dass dieses Gelände absolut nichts mit dem "wahren" Indien zu tun hat. So saubere und leere Straßen, so grünen und kurzen Rasen, einfach eine so perfekt wirkende Umgebung gibt es hier sonst nirgends. So schön das alles aussah, irgendwie kam ich mir echt seltsam vor in dieser künstlichen Welt, irgendwie total fehl am Platz. So schön es auch war morgens Cornflakes und Obst zu frühstücken, so schön es auch war in einem großen, weichen Bett zu schlafen - ich würde niemals auf diesem Campus wohnen wollen. Besucher für 3 Tage war ok, aber auch genug!

Die anderen Freiwilligen sind jetzt noch für eine Nacht in einen nahegelegenen Nationalpark gefahren. Ich habe mich allerdings dazu entschlossen ins Projekt zu fahren. Dem kleinen Dhanush geht es nämlich gar nicht gut. Letzte Woche wurde in Bangalore ein MRT gemacht, und dabei wurde das ganze Ausmaß des Tumors sichtbar. Der Tumor sitzt auf dem Stammhirn und hat schon erste Teile des Rückenmarks befallen. Da er unglaublich schnell wächst, kann es sich nur um Krebs handeln - operieren ist nicht möglich, da der Tumor zu tief im Hirn sitzt und zu sensible Teile befallen hat. Chemo- oder Strahlentherapie wären zu diesem Zeitpunkt einfach schon zu spät. Somit ist Dhanush jetzt seit Dienstag wieder hier bei uns im Projekt und alle geben ihr bestes, um seine letzten Tage so angenehm wie möglich zu gestalten.
Da niemand weiß wie lange er noch zu leben hat habe ich beschlossen, vor unserem Urlaub noch 2 Tage hier mit ihm zu verbringen.

Trotz dieses traurigen Neuigkeiten wünsche ich euch allen ein frohes Weihnachtsfest mit ein paar schönen Momenten!