Hey Leute! Seit dem 10.08.2010 bin ich jetzt in Chamarajanagar/Indien. Dieser Blog soll euch alle immer auf dem neusten Stand halten und darüber informieren, was genau ich so mache. Dabei ist zu beachten, dass alles, was ich hier schreibe, auf meinen persöhnlichen Erfahrungen basiert und nicht unbedingt verallgemeinert werden sollte. Viel Spaß beim lesen!
Samstag, 16. Juli 2011
Endspurt
Mittwoch, 22. Juni 2011
Der Alltag hat uns wieder...
Dienstag, 17. Mai 2011
Indian Biodiversity
Montag, 16. Mai 2011
Ferien!
Chamarajanagar
Zu Beginn unserer Reise sollte Johannes natürlich den Ort kennen lernen, an dem ich (die meiste Zeit über) die letzten 10 Monate verbracht habe. Die Kinder fanden schnell gefallen an dem Besuch aus Deutschland, und auch Johannes hat sich schnell an indische Dinge wie Essen, Tee trinken und Kleidung gewöhnt. Am Wochenende gab es an gleich zwei Tagen ein großes Festessen mitsamt kulturellem Programm, zwei Inder hatten beschlossen zu ihrem Geburtstag unserem Projekt etwas Essen zu sponsorn. Nach 5 Tagen in der ländlichen Idylle ging sie dann aber wirklich los, die große Reise, und zwar in:
Mysore
Eigentlich wollten wir nur 2 Tage hier bleiben – eigentlich. Dieser Plan wurde dann aber durchkreuzt; ich hatte gesundheitliche Probleme und musste mich einer kleinen (sie war wirklich klein und nicht schlimm!!) OP unterziehen. Als Folge mussten wir dann noch ein paar Tage länger als geplant in Mysore bleiben; die haben wir genutzt um so Touristen-Highlights wie den Palast, den Markt und den Chamundi Hill mitsamt Tempel zu besichtigen. Außerdem habe ich Johannes in die Welt des indischen Straßenessens eingeführt, eine vielleicht gesundheitlich riskante, aber durchaus lohnenswerte Erfahrung, wie ich finde.
Da wir wie gesagt länger als geplant in Mysore bleiben mussten, viel unser Aufenthalt in
Hyderabad
leider sehr kurz aus; alles was wir gesehen haben war die Straße zwischen Bahnhof und Flughafen (schon blöd wenn man den Inlandsflug nicht umbuchen kann....). So gings also per Flugzeug weiter nach
Kolkata
die zweitgrößte Stadt Indiens nach Mumbai. Erster Eindruck: unglaublich heiß! Mit dem Bus gings vom Flughafen in Richtung Innenstadt, dann noch ein paar Stationen mit der Metro (Achtung: Bitte keine Toten mitnehmen!!), dann noch eine gefühlte Ewigkeit mit dem Rucksack durch die heißen und überfüllten Straßen, dann hatten wir endlich ein Hotel.
Am Abend sind wir dann los um unsere nähere Umgebung zu erkunden; dazu zählten unter anderem der Maiden (Stadtpark), in dem man neben unzähligen Cricketbegeisterten auch Reiter und Ziegenherden trifft. Am Ende des Parks steht das Victoria Memorial, ein sehr großes, weißes Denkmal, dass ein bisschen an das Capitol in Washington erinnert. Auf dem Weg dorthin mussten wir natürlich mehrmals eine kleine Tee-Pause einlegen, denn Johannes hat sich mittlerweile hoffnungslos in den Indischen Chai verliebt. Das Straßenessen lassen wir diesmal lieber weg, denn Kolkata ist wirklich unglaublich dreckig; das hätte auch mein Magen nicht überstanden.
Ein paar Meter vom Memorial entfernt stoßen wir auf ein Planetarium – und entschließen uns kurzerhand dazu, die Englische Show über den Sternenhimmel Kolkatas zu besuchen.
Nach dem Abendessen geht’s zurück ins Hotel; wir entschließen uns mit einer von Hand gezogenen Rickshaw zu fahren, denn die sind einzigartig in der Stadt. Doch schon während der Fahrt wird uns klar, dass wir das nicht nochmal machen werden; sich von Menschenhand durch die Straßen ziehen zu lassen hat einen sehr komischen Beigeschmack.
Der nächste Morgen beginnt mit einer Taxifahrt durch den wahnsinnigen Verkehr der Stadt: gefolgt von einem Ziellosen Spaziergang durch die Stadt. Am Abend lasse ich mir nach langer Zeit mal wieder die Haare schneiden, bevor es mit dem Nachtzug weiter geht.
Darjeeling, Sikkim, Himalaya
Der Zug bringt uns weiter in den Norden, an die Ausläufer des Himalaya (Hima=Schnee, laya=Haus). Wir steigen um in einen Jeep, um nach Darjeeling zu gelangen. Uns wird auch gar nicht kalt im Jeep, mit 3 Leuten vorne, 4 Leuten auf der Rückbank, 4 Leuten im Kofferraum und einem auf dem Dach ist immer jemand da, der einen wärmt.
Je höher wir kommen, desto dichter werden werden die Wolken, und kurz vor Darjeeling fängt es an zu regnen.
Wir kommen also im Regen an und sind anfänglich noch etwas hilflos; mithilfe eines netten Mitfahrers finden wir dann aber schnell ein Hotel.
Darjeeling ist (mal abgesehen vom Tee) berühmt für die Aussicht, die man bei klarem Wetter von hier hat: Mount Everest und Mount Khanchenjunga (8598m, dritthöchster Berg der Welt) kann man von hier aus sehen. Wir versuchen unser Glück und stehen morgens um 3 auf, um die besagten Berge im Sonnenaufgang zu sehen – unsere Mühe wird allerdings nicht belohnt, außer Wolken und Nebel sieht man nichts.
Nach ein paar Teeverkostungen und einem Besuch im Zoo fahren wir weiter, mit dem Jeep geht es nach Sikkim, eines der kleinsten Indischen Bundesländer. Erster Station hier ist Pelling, ein kleiner, sehr touristischer Ort, der außer einem Atemberaubenden Ausblick auf Mt. Khanchenjunga nicht viel zu bieten hat. Als wir ankommen ist es immer noch bewölkt, und wir beschließen, am nächsten Tag eine Jeeptour zu machen.
Also fahren wir los und besuchen einen heiligen See, Wasserfälle, ein paar Ruinen und noch einen heiligen See. Auf dem Rückweg klart es plötzlich auf, und dann sieht man ihn endlich, den dritthöchsten Berg der Welt! Ich bin begeistert; zurück in Pelling laufen wir zum Helipad, von dort aus hat man den besten Ausblick. Wir machen ohne Ende Fotos.
Am Abend essen wir mit Blick auf den Berg, der im Mondschein ganz weiß leuchtet. Am nächsten Morgen quäle ich mich wieder früh aus dem Bett, um jetzt endlich den Berg im Sonnenaufgang zu sehen; diesmal habe ich Glück – ein wirklich schöner Anblick!
Am letzten Tag in Pelling gehen wir ein bisschen wandern; zunächst zu einem der ältesten buddhistischen Klöster Indiens, und von dort aus weiter zu den Ruinen der alten Hauptstadt Sikkims. Auf dem Weg hat Johannes eine kleine Begegnung mit einem Blutegel, aber alles halb so schlimm.
Nächster Halt auf unserer Reise ist Gangtok, die jetzige Hauptstadt Sikkims. Zum ersten mal in Indien sehe ich eine Fußgängerzone, ich fühle mich komisch, so etwas ordentliches passt nicht in dieses Land. Allgemein ist Sikkim ganz anders als der Rest von Indien; die Leute sehen ganz anders aus, das Klima ist völlig anders, ebenso das Essen und die Kultur. Aber es gefällt mir hier sehr, die Kulisse tut ihr übriges dazu.
Von Gangtok aus machen wir eine Tagestour zum Tsomgo Lake, einem (wiedermal) heiligem See auf über 3000m Höhe, keine 20km von der tibetanischen Grenze entfernt. Als wir aus dem Jeep steigen, sehe ich zum ersten mal seit langer Zeit wieder Schnee und freue mich darüber wie ein kleines Kind. Bei der Schneeballschlacht mit Johannes schneide ich aber wie immer eher schlecht ab...
Neben dem Schnee und dem schönen See gibt es am Tsomgo Lake noch Yaks, auf denen man reiten kann. Johannes ist erst skeptisch, macht dann aber doch mit; und so reiten wir dann auf zwei warmen, weichen Yaks um den heiligen See. Angeblich können die Tiere anhand der Wasserfarbe die Zukunft vorhersagen – mein Yak war leider nicht sonderlich gesprächig.
Wir beschließen, noch einmal nach Darjeeling zu fahren, um dann hoffentlich den Mount Everest zu sehen. Also, wieder früh aufstehen, und diesmal haben wir tatsächlich Glück: am Horizont sieht man einen kleinen, weißen Berg, und das ist er! Die Mühe hat sich letztendlich also doch gelohnt. Nun waren wir aber lange genug in den kalten Bergen unterwegs, es wurde Zeit für die Weiterfahrt nach
Varanasi
die heilige Pilgerstadt der Hindus am Ganges. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen, engen Gassen, und anfangs sind wir hoffnungslos orientierungslos. Der Ganges ist ziemlich breit, am Ufer sind überall sogenannte „Ghats“ (Treppen), auf denen sich die Action abspielt. Hier wird gebadet, gewaschen, Zähne geputzt, Müll entsorgt, Kühe gewaschen, Tee getrunken, Tote verbrannt und Tote versenkt. Der Fluss stinkt und ist dreckig; trotzdem hat der Ort einen gewissen Charme. Abends treffen hunderte Leute an dem Main Ghat zusammen, um gemeinsam zu beten; dann sitzen sie dort, singen, klatschen, gehen zum Wasser, opfern Blumen und schwimmende Kerzen und beobachten die Priester, die ebenfalls beten und opfern. Ich bin ein wenig verzaubert von der Stimmung und genieße es einfach, mitten drin zu sitzen und zuzusehen; denn verstehen was genau da vor sich geht, dass tue ich leider auch nach 10 Monaten in Indien noch nicht so wirklich.
Abgesehen vom Ganges gibt es in Varanasi noch ein weiteres Highlight: eine Bäckerei, in der es echtes Vollkornbrot und echten Käse gibt! Beim ersten Bissen in ein Vollkorn-Gouda-Sandwich fühle ich mich herrlich. Wir werden für die Dauer unseres Aufenthalts zu Stammgästen in der Bäckerei.
Einen Abend lassen wir uns den Fluss runter rudern und beobachten, wie die Sonne langsam untergeht und die Hindus langsam an den Fluss kommen und mit ihren Gebeten beginnen. Eigentlich eine schöne Sache, wäre da nicht der penetrante Schwefel-Geruch, der vom Fluss aufsteigt...
Nach vier Tagen in Varanasi geht es aber weiter. Unser nächstes Ziel ist
Agra
Heimatstadt des berühmten Roten Forts und des Taj Mahals. Wir beziehen ein Hotelzimmer mit direktem Blick auf das Taj Mahal (für knappe 8€ die Nacht!!!) und tasten uns dann langsam an das beeindruckende Bauwerk heran. Der Eintritt ist unglaublich teuer, aber das macht jetzt ausnahmsweise mal nichts.
Das Taj Mahal ist riesig und strahlt in einem leicht milchigem Weiß. Wir stehen da und staunen; auch wenn man schon so viele Fotos gesehen hat, in echt ist es doch nochmal was anderes.
Das Taj Mahal wurde von einem Herrscher für seine Frau gebaut, die bei der Geburt ihres 14. (!!!) Kindes gestorben ist. Alles ist perfekt symmetrisch, und je näher man herangeht, desto deutlicher sieht man die feinen Blumen und Muster, die in die Wände eingelassen sind – alle aus reinen Edelsteinen und per Hand gefertigt!
Nach dem Taj Mahal besichtigen wir noch das Rote Fort und ein paar andere Bauwerke, aber so richtig beeindrucken kann uns nichts mehr.
Am Abend fahren wir zu einem Garten, der gegenüber vom Taj Mahal liegt – von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf das weiße Wunderwerk im Sonnenuntergang; ein schöneres Ende kann ein Tag wohl kaum nehmen.
Der nächste Tag ist mein Geburtstag, und er beginnt (wie könnte es anders sein) mit einem Blick aus dem Fenster.
Dann geht es weiter; mit dem Bus fahren wir nach
Jaipur
die Hauptstadt Rajasthans. Dort ist es unglaublich heiß. Abends gehen wir essen, es gibt lecker Hühnchen vom Grill.
Am nächsten Morgen geht es Johannes nicht so gut, und ich mache mich alleine auf, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Ich gehe in die Altstadt, die auch als „Pink City“ bezeichnet wird – allerdings gibt es dort kein einziges pinkes Haus...
Um mir einen Überblick zu verschaffen, gehe ich auf einen alten Turm. Oben sitzt ein älterer Inder, der mir etwas über die Stadt erzählt. Als er erfährt, dass ich ein ganzes Jahr in Indien bin und im Süden als „Social Worker“ arbeite, ist er völlig begeistert; er lädt mich zum Tee trinken ein und erklärt mich zu seiner neuen Tochter. So sitze ich dann also für einige Zeit in dem Turm, trinke Tee und unterhalte mich mit meinem neuen Vater und seinem Kumpel. Sie sagen mir, ich sollte zum Stadtpalast gehen, und das mache ich dann auch.
Am nächsten Tag geht es Johannes besser, und ich nehme ihn mit zu dem Turm und den netten Indern vom Vortag. Wieder gibt es Tee, und nach ein paar weiteren Sight-Seeing-Tips verabreden wir uns für den Abend, denn ich will mir einen neuen Sari kaufen und weiß noch nicht so ganz genau, wo dafür der beste Ort ist.
Aber zunächst befolgen Johannes und ich die Tips und besichtigen das Observatorium des Maharaja, seine Grabstätte, das mächtige Fort und den schwimmenden Sommerpalast der Maharani.
Am Abend treffen wir den netten Inder. Doch bevor wir auf die Suche nach einem Sari gehen, nimmt er uns mit in den Tempel, denn er ist ein gläubiger Hindu und betet jeden Morgen und jeden Abend. Nachdem das erledigt war, gehen wir in einen Laden, der handgemachte Saris mit dem typischen „Rajasthani“-Muster (Bathik) verkaufen. Nach wenigen Minuten habe ich meinen Traum-Sari gefunden: er ist türkis mit kleinen weißen Mustern, dazu ein wenig rot und orange. Leider übersteigt er mein Budget bei weitem, handgefertigte Dinge sind eben auch in Indien teuer. Mein „Vater“ gesteht, dass er als Mann nicht sonderlich viel Ahnung hat von Saris und nimmt mir das Versprechen ab, bald wieder zu kommen: dann würde er seine Tochter anrufen und die würde dann mit mir shoppen gehen. Nach einem weiteren gemeinsamen Tee verabschieden wir uns; Johannes und ich wollen weiter, zu unserer letzten Station:
Delhi
Indiens Hauptstadt ist heißer als alle anderen Städte zuvor. Am Bahnhof treffen wir Susanne, die schon mit ein paar anderen Freiwilligen hier ist und uns schon ein Hotel gesucht hat. Wir wohnen sehr Zentral, nicht weit von der nächsten Metro-Station. Den Abend verbringen wir mit den anderen Deutschen, bei einem Bier werden Reisegechichten ausgetauscht, Susanne versorgt mich außerdem mit den neusten Geschichten aus unserem Projekt. Während ich unterwegs war, ist sie in Ch.nagara geblieben; jetzt wo ich bald wieder dort bin beginnt sie ihre Reise durch den Norden.
Am nächsten Tag besichtigen wir das Rote Fort Delhis und laufen ein wenig durch die (angeblich) sehr geschäftige Altstadt. Leider ist es Sonntag, und die Geschäfte und Bazaare sind geschlossen. Abends gehen wir ins Kino und sehen einen 3D-Film. Der nächste Tag ist der letzte für Johannes. Er kauft sich noch einen Treckingrucksack, und dann müssen wir auch schon zum Flughafen.
Johannes ist weg und ich bin wieder alleine. Am nächsten Morgen geht auch mein Flug zurück nach Bangalore.
Jetzt bin ich wieder in Chamarajanagar. Die Kinder haben Ferien; einige sind bei ihren Familien, doch die meisten sind hier geblieben. Für die älteren gibt es ein Filmprojekt, dort helfe ich so gut es geht. Den Rest der Zeit verbringe ich mit malen und Spaziergängen; außerdem wollen die kleinen Jungs andauernd Ballons haben, die ich natürlich immer brav in der Stadt kaufe. Für die Mädchen habe ich neulich Wackelpudding gekocht, schließlich hatte ich ja Geburtstag! Das grüne Zeug fanden sie erst etwas seltsam, aber am Ende hat es doch allen geschmeckt.
Ende Mai werde ich nochmal mit Susanne nach Gokarna fahren, ein bisschen am Strand liegen, im Meer baden und Kraft sammeln für die letzten zwei Monate hier!
Samstag, 19. März 2011
Holi und andere Katastrophen...

Sonntag, 27. Februar 2011
Mittwoch, 23. Februar 2011
Ein bisschen Alltag...
Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, wie oft hier gebetet wird? Nein?? Also, morgens gegen 6 haben die Kinder Morgengebet, dann wird vor dem Frühstück gebetet, zum Unterrichtsbeginn in der Schule, vor dem Mittagessen, zum Unterrichtsende, am frühen Abend und zu guter letzt noch einmal vor dem Abendbrot. Ganz schön oft, oder??
Donnerstag, 10. Februar 2011
Hampi!
Mittwoch, 2. Februar 2011
Die Zeit ist reif!
Indien – das klingt nach Farben, die die Augen verzaubern, nach Düften, die die Nase betören, nach Gewürzen, die einem das Wasser in den Mund treiben, nach Menschen, die die Seele berühren. Es tut uns leid, aber so ist es nicht. Indien raubt einem die Sinne – aber nicht so, wie ihr das vielleicht denkt. Nach 6 Monaten ist die Zeit gekommen, um euch die rosarote Brille zu entreißen.
Wir wurden in dieses Land geschickt, um zu lernen und um gelerntes zu teilen. Und genau darum soll es in den „journalistischen“ Ergüssen gehen, die wir fortan gemeinsam kreieren werden – denn die Zeit ist reif!
Der allgemeine Inder...und sein Handy
Dies ist die Geschichte einer großen Liebe – nein, einer sehr großen sogar. Der Inder/die Inderin und das Handy gehören einfach zusammen.
Ein Inder/eine Inderin ohne Handy, dass wäre wie...Frühstück ohne Reis, wie...FSJler ohne Urlaub, wie...Marleen ohne Kaugummi, wie...Susanne ohne Marleen!
Wie wir leider feststellen mussten, ist der Inder/die Inderin ja mit eigenständigen Entscheidungen leicht überfordert. Um Massenpaniken vorzubeugen haben sich daher namhafte Handyhersteller wie Nokia oder Tata dazu entschlossen, lediglich 2 Klingeltöne zur Auswahl zu stellen. Woher der Inder/die Inderin jetzt weiß, welches Handy da grade klingelt, ist eigentlich auch egal, denn wie unabhängige Untersuchungen von S.T. und G.S. ergeben haben, handelt es sich dabei in 9 von 10 Fällen um einen lästigen Werbeanruf.
In unseren Breitengraden ziemt es sich, die Lautstärke seines Handys so dezent wie möglich und nur so laut wie nötig zu regeln. Der Inder/die Inderin unterwirft sich diesen durchaus positiv zu betrachtenden Regeln des friedlichen Zusammenlebens allerdings nicht. In Indien gilt: Je lauter, desto besser. Egal ob einfaches Klingeln oder Entertainmentapplikationen (Musik, etc.) - wenn die Lautstärke einen Radius von 50m unterschreitet, ist definitiv etwas falsch. So kommen wir zu der Erkenntnis, dass wir Weißen einfach die geborenen Unterdrücker sind; in diesem Fall unterdrücken wir das Bedürfnis unserer Mobiltelefone, sich in ihrer vollen Lautstärke zu entfalten.
Nun ist es auch wirklich sch**ßegal, wo sich der Inder/die Inderin gerade befindet – ob im Krankenhaus, auf dem Motorrad bei ca. 50 km/h, im Gespräch mit dem Chef, auf der Toilette oder an anderen scheinbar unpassenden Orten – dem Rufe des mobilen Telefons wird einfach immer Folge geleistet; klingelt es, wird sogar die sonst so geliebte Kuh links liegen gelassen.
Der Grund für das ständige gepiepse und getute ist schnell gefunden. Zum einen ist der Inder/die Inderin grundsätzlich sehr (!!) kommunikativ. Jegliche Geschehnisse, mögen sie auch noch so unwichtig erscheinen, müssen umgehend Freunden und Verwandten mitgeteilt werden. Zehnmal am Tag zu fragen, ob die Person am anderen Ende der Leitung denn Utta ayta (schon gegessen) hat, gehört hierzulande zum guten Ton.
Um diesen Hunger nach Informationsaustausch zu stillen, hatte die indische Mobilfunkindustrie einen grandiosen Einfall: SMS-Sparpakete!!! Für schlappe 40Rs. (ca. 0,65€) erhält der Kunde 4000 Frei-SMS, die er innerhalb von 30 Tagen versenden kann – und auch garantiert wird.
Was schreibt nun also der allgemeine Inder/die allgemeine Inderin so, wenn die Frage nach dem Essen geklärt wurde?
Da wären einmal die schönen Sprüche und Reime, die einen morgens brutal aus den Träumen reißen und einen Abends gewaltsam vom schlummern fernhalten. Beispiel gefällig?
„This sweet bird has came to wish u 'Good Night' Have a nice sleep.“ [Rechtschreibfehler stammen ebenso wie grammatikalische Ausrutscher aus der Feder des Verfassers.]
Des weiteren bekundet der Inder/die Inderin gerne mithilfe einer SMS tiefe freundschaftliche Gefühle – manchmal auch mehr.
„Staying far,nevr breaks relations. Staying near nevr builds relations. Its a link between minds&hearts, which nevr allows us 2 4get each other!!“ [Rechtschreibfehler stammen ebenso wie grammatikalische Ausrutscher aus der Feder des Verfassers.]
Nun stammen diese weisen Sprüche aber gewiss nicht aus der Feder des allgemeinen Inders/der allgemeinen Inderin; nein, auch diese werden von der indischen Mobilfunkindustrie massenhaft zur Verfügung gestellt. Egal ob man weiß, was man da eigentlich versendet – was am Ende zählt ist das Gefühl, geliebt zu werden. Ob von seinem Handy, welches einen freudig anklingelt, oder von der Person, die einen mindestens genauso bescheuerten Spruch zurückschickt: Hauptsache Liebe!
Wir werden dieses indische Paradoxon der Handyliebe nie verstehen, obwohl wir natürlich unser Bestmögliches versuchen, um dieses Verhalten zu adaptieren. Entweder kann Susanne nicht einschlafen, weil Marleen's Handy ständig vibriert, oder Marleen wird nachts durch das penetrante Piepen von Susanne's Handy aus den Träumen gerissen.
Unser Dank gilt...ach Leute, ihr wisst schon wem.
Und die Moral von der Geschicht – vergebe deine Handynummer nicht!!
Es grüßen die dauerhaft Schlafsuchenden Akkaru
Susanni und Merlin
Anmerkung: Die oben beschriebenen Situationen haben wir so wahrgenommen – und auch wenn wir von ihrer Richtigkeit überzeugt sind kommen wir nicht umher, unsere Leser darauf hinzuweisen, dass es sich dabei selbstverständlich um eine sehr subjektive Beschreibung der Wahrheit handelt!
Freitag, 21. Januar 2011
Weihnachten und Silvester "abroad"
Zuerst waren wir schön essen, allerdings hatte der Restaurantchef nichts für christliche Feierlichkeiten über; somit wurden wir dort ziemlich schnell vor die Tür gesetzt.
Am Stadtstrand haben wir dann aber neben 2 einsamen Kamelen eine kleine (christlich geführte) Bar gefunden, in der es neben einem kühlen Bier auch einen Weihnachtsbaum und eine Krippe gab. Somit hatten wir dann doch noch ein recht originalgetreues Weihnachten!
Die nächsten Tage haben wir dann am berühmten Om-Beach verbracht. Wir haben nicht viel gemacht außer in der Sonne liegen, im Ozean schwimmen und Abends lecker essen gehen. Das war aber ehrlich gesagt genau das, was ich wollte, und somit muss ich sagen dass dieses
Weihnachten ein schönes war. Zwischen Sand und Palmen hat man auch irgendwie gar keinen Bock auf Schnee, Tannenbaum und co. Also, liebe Daheimgebliebenen, so leid mir das auch tut, ich hatte an Weihnachten definitiv kein Heimweh, mir hat nichts wirklich gefehlt.
Am 28. Dezember sind wir dann weiter nach Palolem (Südliches Goa) gefahren, wo dann auch Susanne wieder zu uns gestoßen ist. In Palolem haben wir nichts großartig anderes als in Gokarna gemacht, wir haben unsere Aktivitäten nur durch Meereskanu fahren (Georg und ich) und Muscheln suchen (größtenteils ich) erweitert. Die Meereskanutour war allerdings ein echtes Highlight, denn plötzlich waren wir mitten in einem Delfinschwarm! Die Delfine sind keine 5 Meter vor unseren Booten aus dem Wasser aufgetaucht, und ich war ganz hin und weg von diesem Anblick. Die Tiere sind echt ganz schön groß!!
Ansonsten ist Palolem unglaublich touristisch, überall sieht man weiße Touristen, überall gibt es kitschige Souvenirs zu kaufen. Das war für ein paar Tage mal ganz in Ordnung, aber auf Dauer wäre das wohl nichts für mich.
Am 30. haben Georg und ich uns auf den Weg nach Anjuna gemacht; dort wollten wir uns mit all den anderen Freiwilligen treffen, um Silvester zu feiern. Anjuna ist eine der „Partyhochburgen“ Goas, also genau das, was man sich im Allgemeinen unter Goa vorstellt.
Da Georg und ich uns aber etwas zu spät auf den Weg gemacht hatten, sind wir an dem Tag nicht mehr bis nach Anjuna gekommen. Stattdessen sind wir in Panjim gestrandet, Goas Hauptstadt. Dort eine Unterkunft zu finden war aber mehr als nur schwierig. Am Ende haben wir dann im Flur eines netten Inders übernachtet...die Nacht war (wie man sich wohl denken kann) ziemlich ungemütlich und kurz. Aber ein Gutes hatte die ganze Aktion: Unser Gastgeber hat uns zum Abendbrot ein wirklich gutes Restaurant empfohlen, dass schon viele Preise für seine tradiotionnelle Goanische Küche bekommen hat. Der Fisch war köstlich!
Am 31. haben wir uns dann früh morgens auf den Weg nach Anjuna gemacht. Nach langem Suchen haben wir dann dort auch eine Unterkunft gefunden. Den Rest des Tages haben wir dann nochmals am Strand verbracht. Dort fand dann auch unsere Silvesterparty statt. Mitternacht mit den Füßen im Ozean ist schon was besonderes. Wir haben in den unzähligen Strandlokalen gefeiert bis zum Sonnenaufgang und hatten wirklich einen super Abend, an den ich mich noch gerne erinnere.
Am Neujahrstag ging dann das wohl größte Abendteuer der Reise los: Mumbai!!
Mit dem Bus ging es 13 Stunden lang von Goa in die Megastadt. Als wir dann Sonntags morgens um 8 Uhr den Bus verließen staunten wir nicht schlecht: Mumbais Straßen waren wie leergefegt! Grade erst hatten wir im Reiseführer gelesen, dass über 20 mio. Menschen in der Stadt leben, und dann so was! Auch ein Lokal zum frühstücken mussten wir lange suchen, denn vor 10 Uhr war einfach alles geschlossen...
Somit war mein erster Eindruck von Mumbai ein sehr sehr entspannter.
Taj Mahal Hotel un Gateway of India
Wir haben dann in einem kleinen Hotel im südlichen Teil der Stadt Quartier bezogen, ganz in der Nähe vom berühmten Taj Mahal Hotel. Das wurde natürlich auch sogleich bestaunt, ebenso wie das Gateway of India. Die Stadt hat wirklich einiges an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Da wären neben den beiden o.g. Highlights noch die Universität, das Gerichtsgebäude, der Victoria Terminus, Elephanta Island (Weltkulturerbe!), die Haji Ali Moschee, der Marine Drive, etc.
Haji Ali Moschee
Mumbai!
Ich habe mich schon lange auf diesen Trip nach Mumbai gefreut. Vielleicht wisst ihr das nicht, aber einer der Gründe für meinen Aufenthalt in Indien ist das Buch „Shantaram“, welches zum Großteil in Mumbai spielt. Ich hatte großen Spaß daran all die Schauplätze aus dem Buch in der Stadt zu entdecken!
eine indische Großwäscherei
Wir hatten insgesamt 6 Tage Zeit in Mumbai, bevor unser Flug zurück nach Bangalore ging. Da ich echt ewig von Mumbai und allem erzählen könnte und euch das bestimmt irgendwann zu langweilig wird, werde ich einfach ein paar Fotos hochladen und kommentieren, dann könnt ihr euch selbst einen Eindruck verschaffen!
Marine Drive mit Mumbai's Skyline
Kurz zu erwähnen wäre noch, dass am letzten Tag unseres Aufenthalts der Prime Minster von Indien in Mumbai zu Gast war. Und ich kann voller Stolz sagen, dass er sogar an uns vorbeigefahren ist! Das war ein schöner Abschluss für unseren Urlaub.
Mumbais Straßen können doch voll sein ;)
Weihnachten und Silvester sind vorbei, und ich hatte wiedermal einen wundervollen Urlaub. Ich habe viel neues gesehen und viel erlebt, und habe mich wieder ein bisschen mehr in dieses Land verliebt.
Zurück im Projekt ist wieder fast alles beim alten. Wir haben jetzt bis Anfang März noch eine neue Freiwillige bei uns: Kerstin, 19, aus Schweden. Ansonsten unterrichten wir English (bzw. versuchen es), feiern Festivals und spielen mit den Kindern. Susanne hat sich ein Motorrad gekauft und kämpft sich jetzt durch den indischen Straßenverkehr. Ich werde allerdings dem Bus treu bleiben.....
Anfang Februar werde ich zusammen mit Kerstin, Georg und Philipp für ein verlängertes Wochenende nach Hampi fahren.
Bis dahin erstmal!