Samstag, 16. Juli 2011

Endspurt


Der Countdown läuft, bald geht es zurück nach Deutschland. Schon komisch das dieses Jahr jetzt schon vorbei ist! Uns ist es noch nicht so ganz bewusst, den Kinder wohl auch nicht...
Jetzt heißt es also das bestmögliche aus der verbliebenen Zeit zu machen. das heißt, viel mit den Kinder spielen, Abschiedsgeschenke basteln, ein paar letzte Einkäufe tätigen.
Abschiedsgeschenke, ja...ein schwieriges Thema. Sollte man jedem Kind was schenken??! Unmöglich eigentlich. Daher wird gekocht! Für die Kids gibts nochmal Pfannenkuchen, für die Angestellten hier Nudeln mit Tomatensoße (ein wirklich Ur-deutsches Essen, ich weiß.).
In der Schule haben wir Klassenfotos gemacht und für jede Klasse ein Poster damit gebastelt, die hängen jetzt gut sichtbar an der Tür - somit weiß dann jeder was ihn erwartet wenn er diese Türschwelle überschreiten wird.

Deenabandhu Primary School

Ansonsten passiert nicht mehr viel - wir waren in Bangalore und haben dort Susannes 21. Geburtstag gefeiert, zusammen mit einigen anderen Volunteers. Am nächsten Tag waren wir bei Ini, unserer (einzigen) indischen Freundin. Erst gings shoppen, anschließend haben wir mit ihr und ihrer Schwester ein wunderbar leckeres Hühnchen gekocht. Des weiteren hat sie uns beigebracht einen Sari anzuziehen, wobei das perfekte wickeln eine Kunst für sich ist (sie hat 2 Jahre gebraucht um es zu können!). Aber wir lassen uns da ja nicht entmutigen und üben immer fleißig weiter.
Gestern war hier bei uns in Chamarajanagara ein Fest. Die Schulen waren (selbstverständlich) geschlossen, in der Stadt standen überall kleine Buden die alles mögliche verkauft haben. Und natürlich waren überall Menschen. Überall!!! Wir sind mit all unseren Jungs in die Stadt gefahren, für jeden gabs 20 Rupien, die durften für Spielzeug, Eis oder sonstige Objekte der Begierde ausgegeben werden. Susanne und ich sind mit den kleinsten Kerlen losgezogen. Als wir eine kleine Pause im Park machen, stehen plötzlich so um die 40 Inder im Kreis um uns und glotzen uns an. Halloooo, sind wir irgendwelche Zootiere??! Die Kinder bekommen Angst, ich bin froh das ich mittlerweile auch auf Kannada schimpfen kann. Manchmal wünscht man sich hier echt ne Burkha. Schrecklich! Da hilft dann leider nur die Flucht. Beim flüchten geben wir aber auch noch schnell unserer 20 Rupien aus, ich kaufe mir einen pinken Luftballon in E-Gitarren-Form, der sogar blinkt wenn man ihn schüttelt! Die Kinder sind etwas neidisch, aber selbst schuld wenn sie ihr Geld für Autos ausgeben... :-P
Jetzt haben wir wieder Wochenende, und im Projekt ist mal wieder Besuch. Eine Gruppe von ca. 10 jungen Männern - wie wir erfahren alles Künstler, die in der Schule die Wände neu gestalten sollen. Eine nette Idee! Schade nur das wir mal wieder nicht mit einbezogen werden...ein paar Ideen hätten wir bestimmt gehabt, immerhin wollten wir hier auch schon mal die Wand anmalen, was uns leider aufgrund mangelnder Begabung nicht erlaubt wurde. Aber die Jungs sind nett, und haben bestimmt auch gute Ideen. Zum "warm werden" haben sie erstmal eine Tonskultptur von Vivekannada gemacht, einem Gelehrten der hier sehr verehrt wird. Sieht echt gut aus!
Nächste Woche ist es dann so weit, Susanne wird schon zum Flughafen fahren. Ich habe noch ein paar Tage mehr in denen mir dann wohl endgültig bewusst werden wird, dass ich jetzt hier weg muss. Unglaublich wie weit weg Deutschland noch ist...ich kann mir gar nicht vorstellen in zwei Wochen schon wieder in Minden zu sein!
Aber trotzdem freue ich mich natürlich darauf, euch bald alle wieder zu sehen und euch "live und in Farbe" von meinem verrückten Jahr in Indien zu erzählen.
Also - bis bald!

Mittwoch, 22. Juni 2011

Der Alltag hat uns wieder...

Nun sind die Ferien vorbei, der Deenabandhu-Alltag hat uns wieder auf seine ganz spezielle Art und Weise im Griff.
Die Kids sind in den Ferien unglaublich groß geworden, und als unsere Kindergarten-Jungs dieses Jahr in die 1. Klasse gekommen sind war ich beinahe stolz auf die kleinen Kerle! Plötzlich sind sie nicht mehr die kleinen süßen, sie gehören jetzt auch zu den großen Schulkindern. Der Eindruck wurde noch verstärkt indem wir drei neue, kleinere Jungs im Alter von 3-5 ins Projekt bekommen haben, die jetzt unsere "Babys" sind und von den anderen liebevoll umsorgt werden. Allgemein hat sich an der Besatzung in unserem Projekt einiges geändert. Manche Kinder kamen einfach nicht mehr aus den Ferien zurück; nach und nach kam dann raus dass sie wieder bei ihren Familien sind. Schön für die Kinder, schade für uns - wir konnten uns nicht einmal verabschieden.
Im Girls' Home gab es ordentlich Zuwachs. Vor den Ferien waren hier 17 Mädels, jetzt sind es 30! Unsere Jungs sind (natürlich) auch sehr angetan von diesen Neuzugängen ;)
Auf Seiten der Angestellten gibt es auch zwei Neuzugänge. Unsere älteren Jungs (15+) hat in letzter Zeit etwas die Disziplin vermissen lassen, die Konsequenz ist nun ein ca. 50-jähriger Inder, der für eben diese bei den Jungs sorgen soll. Er ist auch wirklich streng, sein Bambusstock ist sein bester Freund, anders kann er sich anscheinend nicht durchsetzen. Frauen scheinen ihm zuwider, jedenfalls redet er nicht mit uns. Vielleicht ist er auch böse, immerhin verbünden wir uns mit den Kindern wenn er wieder mit seinem besten Freund auf Tour ist.
Unserem Chef ist aufgefallen, dass viele Kinder nicht richtig lesen und schreiben können (wir reden hierbei von Kannada, wo meine Lese- und Schreibkenntnisse auch mehr als nur beschränkt sind) und hat daher eine Frau ins Projekt geholt, die den Kindern abends beim Hausaufgaben machen hilft und mit ihnen Kannada übt. Schön und gut, lesen und schreiben ist wichtig - blöd nur das wir deswegen kein Englisch mehr machen können für die Kids, wobei das auch nötig wäre; aber es reicht anscheinend wenn man auf Englisch mit Mühe und Not seinen Namen schreiben und lesen kann, der Rest ist Kür.
In der Schule erwartete uns am ersten Tag nach den Ferien ein mittelschwerer Schock: Unser Englischlehrer, Mahesh, hatte gekündigt und war weg! Wiedermal hatte uns niemand darüber informiert, wieder konnten wir uns nicht verabschieden, ich war sauer, und zwar so richtig. Immerhin hatten wir es uns zur Aufgabe gemacht, Maheshs Englisch zu verbessern, ihm ein paar Ideen für den Unterricht zu geben, kurz gesagt, ER war unsere Hauptaufgabe hier. Und dann ist er weg, die ganze Arbeit der letzten 9 Monate ist weg, alles für die Katz. Na vielen Dank! Indischer Informationsfluss ist ein Alptraum. Der neue Englischlehrer heißt netterweise auch Mahesh, immerhin keine namentliche Änderung - ob das wohl extra war?! Er ist 22, hat keine Ahnung vom unterrichten und auch keine allzu große Ahnung von seinem Fach. Was diese zwei weißen da eigentlich machen versteht er irgendwie auch nicht, es ihm erklären verlief im Sande mangels sprachlicher Parallelitäten, und somit läuft unsere Arbeit in der Schule auch eher gegen null zur Zeit. Aber es gab auch einen Lichtblick: Der neue Mahesh war ein paar Tage lang nicht da, und so haben wir seine Unterrichtsstunden übernommen, unter anderem auch in der 7. Klasse, welche ich im letzten Schuljahr in Englisch mit unterrichtet habe. Die Klasse hat mich viele Nerven gekostet, 35 laute Kinder die einfach nicht stillsitzen wollten und sich genauso wenig merken konnte. Doch jetzt nach den Ferien geschah ein kleines Wunder! Ich dachte mir: Vielleicht sollten wir nach 2 Monaten Ferien einfach mal das wiederholen, was wir vor dern Ferien gelernt haben. Und siehe da: Die Kinder konnten es noch!!! Und nicht nur das, die ganze Stunde über waren sie wunderbar ruhig und aufmerksam! Es war wie im Himmel, und ich war beinahe stolz auf meine Lehrer-erfolge. So schön kann es dann halt doch manchmal sein mit den kleinen Monstern ;)
Am 1.7. steht bei uns der nächste Höhepunkt an. Wie bereits erwähnt arbeiten wir im Moment an einem internationalen Filmprojekt, und unsere Arbeit wird an eben diesem Tag den Schülern, Eltern und interessierten Bürgern Ch.nagaras vorgestellt. Neben unseren Filmen gibt's auch noch Filme aus Schweden und Wales zu bestaunen, ebenfalls von Schülern produziert. Im Moment plage ich mich damit, die Filme aus dem Internet runterzuladen, wobei man für einen Film (der am Ende so 5-10 min lang ist!) locker mal 8 Stunden download-Zeit veranschlagen muss. Und wenn der Chef dann zwischendurch das Modem ausstellt (böse, böse Strahlung!), dann fängt man halt nach 7 1/2 Stunden nochmal von vorne an. Die Kids sollten eigentlich fleißig am Programm arbeiten, Einladungen verteilen, Reden schreiben, Poster mit Fotos basteln....eigentlich! Denn Cricket spielen und selbst Gartenarbeit scheinen tausendmal spannender. Und da meine Kannada Schriftkenntnisse wie gesagt sehr beschränkt sind, kann ich leider auch keine Einladungen schreiben! Was macht man da? Tja...am besten zu irgendeinem Gott beten, dass das alles noch irgendwie klappt. Welcher Gott? Gute Frage, weiß ich auch nicht, aber es gibt bestimmt einen für diesen Zweck. Es gibt immer einen!
In diesem Sinne - genießt den deutschen Sommer, in Indien beginnt langsam der Monsun, ich friere mir hier bei ca. 20 Grad bildlich gesprochen den Hintern ab...bis demnächst liebe Leute, bald sehen wir uns ja schon wieder!
Neulich auf der Hochzeit von dem Neffen unserer Köchin und der Schwester einer unserer Projekt-Jungs...

Dienstag, 17. Mai 2011

Indian Biodiversity

So ihr Lieben, damit ihr mal einen Eindruck davon bekommt was sich hier so in meinem unmittelbarem Umfeld abspielt gibt's jetzt mal ein kleines Video, entstanden vor 3 Tagen auf unserem Campus. Enjoy!


video

Die Schlangen heißen Rat-snakes (Ratten Schlangen), weil sie sich hauptsächlich von Ratten ernähren; sie sind völlig ungiftig und "tanzen" vor ihrer Paarung 6-7 Stunden so! Die älteren Leute hier im Projekt waren ganz besorgt, das sehen von Schlangen ist ein schlechtes Omen; die Kids waren (größtenteils) begeistert, nur der kleine Tejas hatte einen panischen Heulkrampf.
Morgen fahren wir für 2 Tage ins nahe gelegene Tiger-reservat, neben Trecking und Schwimmen kann man dort vor allem auch viele wilde Tiere sehen. Ich bin gespannt!

Montag, 16. Mai 2011

Ferien!


  1. Chamarajanagar

Zu Beginn unserer Reise sollte Johannes natürlich den Ort kennen lernen, an dem ich (die meiste Zeit über) die letzten 10 Monate verbracht habe. Die Kinder fanden schnell gefallen an dem Besuch aus Deutschland, und auch Johannes hat sich schnell an indische Dinge wie Essen, Tee trinken und Kleidung gewöhnt. Am Wochenende gab es an gleich zwei Tagen ein großes Festessen mitsamt kulturellem Programm, zwei Inder hatten beschlossen zu ihrem Geburtstag unserem Projekt etwas Essen zu sponsorn. Nach 5 Tagen in der ländlichen Idylle ging sie dann aber wirklich los, die große Reise, und zwar in:


  1. Mysore


Eigentlich wollten wir nur 2 Tage hier bleiben – eigentlich. Dieser Plan wurde dann aber durchkreuzt; ich hatte gesundheitliche Probleme und musste mich einer kleinen (sie war wirklich klein und nicht schlimm!!) OP unterziehen. Als Folge mussten wir dann noch ein paar Tage länger als geplant in Mysore bleiben; die haben wir genutzt um so Touristen-Highlights wie den Palast, den Markt und den Chamundi Hill mitsamt Tempel zu besichtigen. Außerdem habe ich Johannes in die Welt des indischen Straßenessens eingeführt, eine vielleicht gesundheitlich riskante, aber durchaus lohnenswerte Erfahrung, wie ich finde.

Da wir wie gesagt länger als geplant in Mysore bleiben mussten, viel unser Aufenthalt in


  1. Hyderabad


leider sehr kurz aus; alles was wir gesehen haben war die Straße zwischen Bahnhof und Flughafen (schon blöd wenn man den Inlandsflug nicht umbuchen kann....). So gings also per Flugzeug weiter nach


  1. Kolkata


die zweitgrößte Stadt Indiens nach Mumbai. Erster Eindruck: unglaublich heiß! Mit dem Bus gings vom Flughafen in Richtung Innenstadt, dann noch ein paar Stationen mit der Metro (Achtung: Bitte keine Toten mitnehmen!!), dann noch eine gefühlte Ewigkeit mit dem Rucksack durch die heißen und überfüllten Straßen, dann hatten wir endlich ein Hotel.

Am Abend sind wir dann los um unsere nähere Umgebung zu erkunden; dazu zählten unter anderem der Maiden (Stadtpark), in dem man neben unzähligen Cricketbegeisterten auch Reiter und Ziegenherden trifft. Am Ende des Parks steht das Victoria Memorial, ein sehr großes, weißes Denkmal, dass ein bisschen an das Capitol in Washington erinnert. Auf dem Weg dorthin mussten wir natürlich mehrmals eine kleine Tee-Pause einlegen, denn Johannes hat sich mittlerweile hoffnungslos in den Indischen Chai verliebt. Das Straßenessen lassen wir diesmal lieber weg, denn Kolkata ist wirklich unglaublich dreckig; das hätte auch mein Magen nicht überstanden.

Ein paar Meter vom Memorial entfernt stoßen wir auf ein Planetarium – und entschließen uns kurzerhand dazu, die Englische Show über den Sternenhimmel Kolkatas zu besuchen.

Nach dem Abendessen geht’s zurück ins Hotel; wir entschließen uns mit einer von Hand gezogenen Rickshaw zu fahren, denn die sind einzigartig in der Stadt. Doch schon während der Fahrt wird uns klar, dass wir das nicht nochmal machen werden; sich von Menschenhand durch die Straßen ziehen zu lassen hat einen sehr komischen Beigeschmack.

Der nächste Morgen beginnt mit einer Taxifahrt durch den wahnsinnigen Verkehr der Stadt: gefolgt von einem Ziellosen Spaziergang durch die Stadt. Am Abend lasse ich mir nach langer Zeit mal wieder die Haare schneiden, bevor es mit dem Nachtzug weiter geht.


  1. Darjeeling, Sikkim, Himalaya


Der Zug bringt uns weiter in den Norden, an die Ausläufer des Himalaya (Hima=Schnee, laya=Haus). Wir steigen um in einen Jeep, um nach Darjeeling zu gelangen. Uns wird auch gar nicht kalt im Jeep, mit 3 Leuten vorne, 4 Leuten auf der Rückbank, 4 Leuten im Kofferraum und einem auf dem Dach ist immer jemand da, der einen wärmt.

Je höher wir kommen, desto dichter werden werden die Wolken, und kurz vor Darjeeling fängt es an zu regnen.

Wir kommen also im Regen an und sind anfänglich noch etwas hilflos; mithilfe eines netten Mitfahrers finden wir dann aber schnell ein Hotel.

Darjeeling ist (mal abgesehen vom Tee) berühmt für die Aussicht, die man bei klarem Wetter von hier hat: Mount Everest und Mount Khanchenjunga (8598m, dritthöchster Berg der Welt) kann man von hier aus sehen. Wir versuchen unser Glück und stehen morgens um 3 auf, um die besagten Berge im Sonnenaufgang zu sehen – unsere Mühe wird allerdings nicht belohnt, außer Wolken und Nebel sieht man nichts.

Nach ein paar Teeverkostungen und einem Besuch im Zoo fahren wir weiter, mit dem Jeep geht es nach Sikkim, eines der kleinsten Indischen Bundesländer. Erster Station hier ist Pelling, ein kleiner, sehr touristischer Ort, der außer einem Atemberaubenden Ausblick auf Mt. Khanchenjunga nicht viel zu bieten hat. Als wir ankommen ist es immer noch bewölkt, und wir beschließen, am nächsten Tag eine Jeeptour zu machen.

Also fahren wir los und besuchen einen heiligen See, Wasserfälle, ein paar Ruinen und noch einen heiligen See. Auf dem Rückweg klart es plötzlich auf, und dann sieht man ihn endlich, den dritthöchsten Berg der Welt! Ich bin begeistert; zurück in Pelling laufen wir zum Helipad, von dort aus hat man den besten Ausblick. Wir machen ohne Ende Fotos.

Am Abend essen wir mit Blick auf den Berg, der im Mondschein ganz weiß leuchtet. Am nächsten Morgen quäle ich mich wieder früh aus dem Bett, um jetzt endlich den Berg im Sonnenaufgang zu sehen; diesmal habe ich Glück – ein wirklich schöner Anblick!

Am letzten Tag in Pelling gehen wir ein bisschen wandern; zunächst zu einem der ältesten buddhistischen Klöster Indiens, und von dort aus weiter zu den Ruinen der alten Hauptstadt Sikkims. Auf dem Weg hat Johannes eine kleine Begegnung mit einem Blutegel, aber alles halb so schlimm.

Nächster Halt auf unserer Reise ist Gangtok, die jetzige Hauptstadt Sikkims. Zum ersten mal in Indien sehe ich eine Fußgängerzone, ich fühle mich komisch, so etwas ordentliches passt nicht in dieses Land. Allgemein ist Sikkim ganz anders als der Rest von Indien; die Leute sehen ganz anders aus, das Klima ist völlig anders, ebenso das Essen und die Kultur. Aber es gefällt mir hier sehr, die Kulisse tut ihr übriges dazu.

Von Gangtok aus machen wir eine Tagestour zum Tsomgo Lake, einem (wiedermal) heiligem See auf über 3000m Höhe, keine 20km von der tibetanischen Grenze entfernt. Als wir aus dem Jeep steigen, sehe ich zum ersten mal seit langer Zeit wieder Schnee und freue mich darüber wie ein kleines Kind. Bei der Schneeballschlacht mit Johannes schneide ich aber wie immer eher schlecht ab...

Neben dem Schnee und dem schönen See gibt es am Tsomgo Lake noch Yaks, auf denen man reiten kann. Johannes ist erst skeptisch, macht dann aber doch mit; und so reiten wir dann auf zwei warmen, weichen Yaks um den heiligen See. Angeblich können die Tiere anhand der Wasserfarbe die Zukunft vorhersagen – mein Yak war leider nicht sonderlich gesprächig.

Wir beschließen, noch einmal nach Darjeeling zu fahren, um dann hoffentlich den Mount Everest zu sehen. Also, wieder früh aufstehen, und diesmal haben wir tatsächlich Glück: am Horizont sieht man einen kleinen, weißen Berg, und das ist er! Die Mühe hat sich letztendlich also doch gelohnt. Nun waren wir aber lange genug in den kalten Bergen unterwegs, es wurde Zeit für die Weiterfahrt nach



  1. Varanasi


die heilige Pilgerstadt der Hindus am Ganges. Die Altstadt besteht aus vielen kleinen, engen Gassen, und anfangs sind wir hoffnungslos orientierungslos. Der Ganges ist ziemlich breit, am Ufer sind überall sogenannte „Ghats“ (Treppen), auf denen sich die Action abspielt. Hier wird gebadet, gewaschen, Zähne geputzt, Müll entsorgt, Kühe gewaschen, Tee getrunken, Tote verbrannt und Tote versenkt. Der Fluss stinkt und ist dreckig; trotzdem hat der Ort einen gewissen Charme. Abends treffen hunderte Leute an dem Main Ghat zusammen, um gemeinsam zu beten; dann sitzen sie dort, singen, klatschen, gehen zum Wasser, opfern Blumen und schwimmende Kerzen und beobachten die Priester, die ebenfalls beten und opfern. Ich bin ein wenig verzaubert von der Stimmung und genieße es einfach, mitten drin zu sitzen und zuzusehen; denn verstehen was genau da vor sich geht, dass tue ich leider auch nach 10 Monaten in Indien noch nicht so wirklich.

Abgesehen vom Ganges gibt es in Varanasi noch ein weiteres Highlight: eine Bäckerei, in der es echtes Vollkornbrot und echten Käse gibt! Beim ersten Bissen in ein Vollkorn-Gouda-Sandwich fühle ich mich herrlich. Wir werden für die Dauer unseres Aufenthalts zu Stammgästen in der Bäckerei.

Einen Abend lassen wir uns den Fluss runter rudern und beobachten, wie die Sonne langsam untergeht und die Hindus langsam an den Fluss kommen und mit ihren Gebeten beginnen. Eigentlich eine schöne Sache, wäre da nicht der penetrante Schwefel-Geruch, der vom Fluss aufsteigt...

Nach vier Tagen in Varanasi geht es aber weiter. Unser nächstes Ziel ist


  1. Agra


Heimatstadt des berühmten Roten Forts und des Taj Mahals. Wir beziehen ein Hotelzimmer mit direktem Blick auf das Taj Mahal (für knappe 8€ die Nacht!!!) und tasten uns dann langsam an das beeindruckende Bauwerk heran. Der Eintritt ist unglaublich teuer, aber das macht jetzt ausnahmsweise mal nichts.

Das Taj Mahal ist riesig und strahlt in einem leicht milchigem Weiß. Wir stehen da und staunen; auch wenn man schon so viele Fotos gesehen hat, in echt ist es doch nochmal was anderes.

Das Taj Mahal wurde von einem Herrscher für seine Frau gebaut, die bei der Geburt ihres 14. (!!!) Kindes gestorben ist. Alles ist perfekt symmetrisch, und je näher man herangeht, desto deutlicher sieht man die feinen Blumen und Muster, die in die Wände eingelassen sind – alle aus reinen Edelsteinen und per Hand gefertigt!

Nach dem Taj Mahal besichtigen wir noch das Rote Fort und ein paar andere Bauwerke, aber so richtig beeindrucken kann uns nichts mehr.

Am Abend fahren wir zu einem Garten, der gegenüber vom Taj Mahal liegt – von hier aus hat man einen wunderschönen Blick auf das weiße Wunderwerk im Sonnenuntergang; ein schöneres Ende kann ein Tag wohl kaum nehmen.

Der nächste Tag ist mein Geburtstag, und er beginnt (wie könnte es anders sein) mit einem Blick aus dem Fenster.

Dann geht es weiter; mit dem Bus fahren wir nach


  1. Jaipur


die Hauptstadt Rajasthans. Dort ist es unglaublich heiß. Abends gehen wir essen, es gibt lecker Hühnchen vom Grill.

Am nächsten Morgen geht es Johannes nicht so gut, und ich mache mich alleine auf, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Ich gehe in die Altstadt, die auch als „Pink City“ bezeichnet wird – allerdings gibt es dort kein einziges pinkes Haus...

Um mir einen Überblick zu verschaffen, gehe ich auf einen alten Turm. Oben sitzt ein älterer Inder, der mir etwas über die Stadt erzählt. Als er erfährt, dass ich ein ganzes Jahr in Indien bin und im Süden als „Social Worker“ arbeite, ist er völlig begeistert; er lädt mich zum Tee trinken ein und erklärt mich zu seiner neuen Tochter. So sitze ich dann also für einige Zeit in dem Turm, trinke Tee und unterhalte mich mit meinem neuen Vater und seinem Kumpel. Sie sagen mir, ich sollte zum Stadtpalast gehen, und das mache ich dann auch.

Am nächsten Tag geht es Johannes besser, und ich nehme ihn mit zu dem Turm und den netten Indern vom Vortag. Wieder gibt es Tee, und nach ein paar weiteren Sight-Seeing-Tips verabreden wir uns für den Abend, denn ich will mir einen neuen Sari kaufen und weiß noch nicht so ganz genau, wo dafür der beste Ort ist.

Aber zunächst befolgen Johannes und ich die Tips und besichtigen das Observatorium des Maharaja, seine Grabstätte, das mächtige Fort und den schwimmenden Sommerpalast der Maharani.

Am Abend treffen wir den netten Inder. Doch bevor wir auf die Suche nach einem Sari gehen, nimmt er uns mit in den Tempel, denn er ist ein gläubiger Hindu und betet jeden Morgen und jeden Abend. Nachdem das erledigt war, gehen wir in einen Laden, der handgemachte Saris mit dem typischen „Rajasthani“-Muster (Bathik) verkaufen. Nach wenigen Minuten habe ich meinen Traum-Sari gefunden: er ist türkis mit kleinen weißen Mustern, dazu ein wenig rot und orange. Leider übersteigt er mein Budget bei weitem, handgefertigte Dinge sind eben auch in Indien teuer. Mein „Vater“ gesteht, dass er als Mann nicht sonderlich viel Ahnung hat von Saris und nimmt mir das Versprechen ab, bald wieder zu kommen: dann würde er seine Tochter anrufen und die würde dann mit mir shoppen gehen. Nach einem weiteren gemeinsamen Tee verabschieden wir uns; Johannes und ich wollen weiter, zu unserer letzten Station:


  1. Delhi


Indiens Hauptstadt ist heißer als alle anderen Städte zuvor. Am Bahnhof treffen wir Susanne, die schon mit ein paar anderen Freiwilligen hier ist und uns schon ein Hotel gesucht hat. Wir wohnen sehr Zentral, nicht weit von der nächsten Metro-Station. Den Abend verbringen wir mit den anderen Deutschen, bei einem Bier werden Reisegechichten ausgetauscht, Susanne versorgt mich außerdem mit den neusten Geschichten aus unserem Projekt. Während ich unterwegs war, ist sie in Ch.nagara geblieben; jetzt wo ich bald wieder dort bin beginnt sie ihre Reise durch den Norden.

Am nächsten Tag besichtigen wir das Rote Fort Delhis und laufen ein wenig durch die (angeblich) sehr geschäftige Altstadt. Leider ist es Sonntag, und die Geschäfte und Bazaare sind geschlossen. Abends gehen wir ins Kino und sehen einen 3D-Film. Der nächste Tag ist der letzte für Johannes. Er kauft sich noch einen Treckingrucksack, und dann müssen wir auch schon zum Flughafen.

Johannes ist weg und ich bin wieder alleine. Am nächsten Morgen geht auch mein Flug zurück nach Bangalore.




Jetzt bin ich wieder in Chamarajanagar. Die Kinder haben Ferien; einige sind bei ihren Familien, doch die meisten sind hier geblieben. Für die älteren gibt es ein Filmprojekt, dort helfe ich so gut es geht. Den Rest der Zeit verbringe ich mit malen und Spaziergängen; außerdem wollen die kleinen Jungs andauernd Ballons haben, die ich natürlich immer brav in der Stadt kaufe. Für die Mädchen habe ich neulich Wackelpudding gekocht, schließlich hatte ich ja Geburtstag! Das grüne Zeug fanden sie erst etwas seltsam, aber am Ende hat es doch allen geschmeckt.

Ende Mai werde ich nochmal mit Susanne nach Gokarna fahren, ein bisschen am Strand liegen, im Meer baden und Kraft sammeln für die letzten zwei Monate hier!